Raumfahrt

Artemis-Abkommen

Die neuen Spielregeln für den Mond: Ein US-geführtes Abkommen, das Transparenz, Interoperabilität und Ressourcenabbau im Weltraum regeln soll.

Die Artemis Accords sind ein multilaterales Abkommen, das am 13. Oktober 2020 von acht Gründungsstaaten unter US-Führung unterzeichnet wurde. Bis Anfang 2026 haben 61 Nationen unterzeichnet. Die Accords ergänzen den Weltraumvertrag von 1967 mit Regeln für die Ära kommerzieller Mondmissionen und bilden den rechtlichen Rahmen für das NASA-Artemis-Programm, das die Rückkehr von Menschen zum Mond vorsieht.

Die zentralen Prinzipien: Friedliche Nutzung des Weltraums, Transparenz bei Weltraumaktivitäten, Interoperabilität von Systemen (damit verschiedene Nationen gemeinsam arbeiten können), Hilfe für Astronauten in Not, Registration von Weltraumobjekten, Veröffentlichung wissenschaftlicher Daten, Schutz des Weltraumerbes (etwa die Apollo-Landestätten auf dem Mond), Vermeidung schädlicher Kontamination und Vermeidung von Weltraumschrott. Besonders umstritten ist Abschnitt 10, der das Recht auf Gewinnung und Nutzung von Weltraumressourcen bestätigt.

China und Russland haben die Accords nicht unterzeichnet und sehen sie als Versuch der USA, einseitig Regeln für den Weltraum festzulegen. Ihr Gegenprojekt ist die International Lunar Research Station (ILRS), eine geplante Mondstation mit eigenen Partnernationen. Die Weltraumordnung spaltet sich damit in zwei Blöcke: den Artemis-Block unter US-Führung und den ILRS-Block unter chinesisch-russischer Führung.

Kritiker bemängeln, dass die Accords kein verbindliches Völkerrecht sind, sondern ein politisches Bekenntnis ohne Durchsetzungsmechanismen. Befürworter argumentieren, dass flexible Abkommen realistischer sind als ein globaler Konsens, der nie zustande kommt. Die Artemis Accords sind der Versuch, Spielregeln zu etablieren, bevor der Wettlauf um Mondressourcen (Wassereis an den Polen, Helium-3, seltene Erden) zum Wildwest wird.