Persönlichkeit

Philip José Farmer

US-amerikanischer Autor (1918 bis 2009), SFWA Grand Master und Schöpfer des Riverworld-Zyklus, der nach dem Tod sämtliche Menschen der Geschichte an einem riesigen Fluss wiederauferstehen lässt.

Philip José Farmer (26. Januar 1918 bis 25. Februar 2009) war einer der einfallsreichsten und respektlosesten Autoren der amerikanischen Science Fiction. Geboren in North Terre Haute, Indiana, studierte er Anglistik an der Bradley University und brach 1952 mit der Novelle 'The Lovers' in das Genre ein. Die Geschichte über eine Liebesbeziehung zwischen einem Menschen und einer insektenartigen Außerirdischen behandelte Sexualität so offen, dass sie als Skandal galt und zugleich als Befreiung. Farmer erhielt dafür 1953 den Hugo Award als vielversprechendster neuer Autor, und damit war der Ton seiner Karriere gesetzt.

Sein bekanntestes Werk ist der Riverworld-Zyklus, der mit 'To Your Scattered Bodies Go' beginnt (auf Deutsch erschienen als 'Die Flusswelt der Zeit'). Die Grundidee ist eine der eindrucksvollsten der Genre-Geschichte. Jeder Mensch, der je gelebt hat, von der Steinzeit bis in die nahe Zukunft, erwacht gleichzeitig nackt und verjüngt an den Ufern eines Flusses, der sich über einen ganzen Planeten windet. Richard Francis Burton, der reale viktorianische Forscher, Mark Twain, ein Neandertaler und ein außerirdischer Besucher treffen aufeinander und versuchen herauszufinden, wer sie wiedererweckt hat und warum. 'To Your Scattered Bodies Go' gewann 1972 den Hugo Award für den besten Roman.

Fast ebenso berühmt ist sein World-of-Tiers-Zyklus, eine Reihe um künstlich erschaffene Taschenuniversen, die von gottähnlichen Wesen beherrscht werden. Diese Serie nahm Motive vorweg, die später in Werken über erschaffene Welten und multiple Realitäten wiederkehrten, und beeinflusste unter anderem den jungen Roger Zelazny.

Farmer war ein Meister des literarischen Spiels. In seinen Wold-Newton-Büchern verknüpfte er reale und fiktive Figuren wie Tarzan, Sherlock Holmes, Doc Savage und Phileas Fogg zu einer einzigen Stammbaum-Mythologie, deren Ursprung ein Meteoriteneinschlag im englischen Wold Newton sein sollte. Diese Idee eines geteilten Helden-Universums gilt heute als Vorläufer moderner Crossover-Erzählungen. Er schrieb sogar fiktive Biografien von Tarzan und Doc Savage, als wären sie historische Persönlichkeiten gewesen, und veröffentlichte Werke unter dem Namen erfundener Autoren.

In einer Karriere von über sechs Jahrzehnten verfasste Farmer rund 60 Romane und über hundert Erzählungen. Sein Stil verband pulpige Abenteuerlust mit philosophischer Tiefe und einer für seine Zeit ungewöhnlichen Bereitschaft, religiöse und sexuelle Tabus zu berühren. 2001 wurde er von den Science Fiction and Fantasy Writers of America zum Grand Master ernannt, der höchsten Ehrung des Genres für ein Lebenswerk. Farmer bleibt der Beweis, dass Space Opera und große Ideen nicht im Widerspruch zu literarischem Wagemut stehen müssen.

Aus dem Forum

Diskutiere diesen Begriff mit Lesern und Autoren im BuchKnall-Forum.

Im Forum diskutieren
Diesen Eintrag zitieren

Philip José Farmer. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/philip-jose-farmer/ (abgerufen am 07.06.2026).