Persönlichkeit

Robert L. Forward

US-amerikanischer Physiker und Hard-SF-Autor (1932 bis 2002), bekannt für 'Das Drachenei' über intelligentes Leben auf einem Neutronenstern und für seine reale Forschung zur Gravitationswellen-Detektion.

Robert Lull Forward (15. August 1932 bis 21. September 2002) war ein Autor, bei dem die Trennung zwischen Wissenschaftler und Science-Fiction-Schriftsteller kaum noch Sinn ergibt. Er promovierte 1965 an der University of Maryland mit einer Arbeit über Detektoren für dynamische Gravitationsfelder und entwickelte dabei eine der frühen Stabantennen zur Messung von Gravitationsstrahlung. Jahrzehnte bevor LIGO 2015 erstmals Gravitationswellen direkt nachwies, gehörte Forward zu den Pionieren dieses Forschungsfelds. Parallel dazu arbeitete er an fortgeschrittenen Antriebskonzepten wie Sonnensegeln und Antimaterie-Raketen und meldete zahlreiche Patente an.

Sein berühmtester Roman ist 'Das Drachenei' (Originaltitel 'Dragon's Egg', 1980). Forward selbst beschrieb das Buch einmal als ein Lehrbuch über Neutronensternphysik, getarnt als Roman. Auf der Oberfläche eines Neutronensterns mit einer Schwerkraft, die 67 Milliarden Mal stärker ist als die der Erde, lebt eine Spezies namens Cheela. Diese Wesen sind winzig wie Sesamkörner und leben, denken und entwickeln sich rund eine Million Mal schneller als Menschen. Als ein menschliches Forschungsraumschiff den Stern erreicht, durchlaufen die Cheela innerhalb weniger Stunden Erdzeit eine komplette Zivilisationsgeschichte von der Steinzeit bis weit über das menschliche Niveau hinaus. Die Idee, eine fremde Biologie konsequent aus den physikalischen Bedingungen eines extremen Himmelskörpers abzuleiten, gilt bis heute als ein Höhepunkt der Hard Science Fiction.

Die Fortsetzung 'Starquake' (1985) führt die Geschichte der Cheela weiter, nachdem ein Sternbeben ihre Zivilisation zurückwirft. Auch hier bleibt Forward seinem Prinzip treu, jede erzählerische Wendung aus echter Physik abzuleiten.

Forwards Stärke war zugleich seine Eigenart. Seine Figuren dienten oft eher als Träger der Ideen denn als psychologisch ausgefeilte Charaktere, und sein Erzählton war nüchtern und sachlich. Doch genau dieser Verzicht auf Effekthascherei machte seine Bücher für naturwissenschaftlich interessierte Leser so faszinierend. Wer wissen wollte, wie Leben unter völlig anderen physikalischen Gesetzen aussehen könnte, fand bei Forward Antworten, die durchgerechnet waren statt erfunden.

Neben dem Neutronenstern-Zyklus schrieb er Romane wie 'Rocheworld' über ein Doppelplaneten-System und 'Camelot 30K' über Leben im äußeren Sonnensystem. In allen Fällen stand die Frage im Mittelpunkt, wie weit sich Leben und Intelligenz an extreme Umgebungen anpassen können. Forward war ein Brückenbauer zwischen Labor und Literatur, und seine Romane wirken bis heute wie Einladungen, das Universum als physikalisches Experiment zu begreifen.

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Robert L. Forward. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/robert-l-forward/ (abgerufen am 07.06.2026).