Technologie

Postknappheitsgesellschaft

Eine Gesellschaft, in der fortgeschrittene Technologie materielle Güter im Überfluss bereitstellt und die Notwendigkeit bezahlter Arbeit entfällt. In der Science Fiction das utopische Gegenstück zur technologischen Arbeitslosigkeit.

In einer Postknappheitsgesellschaft (englisch: post-scarcity society) haben Automatisierung, Nanotechnologie oder Replikatoren die Produktion so weit vorangetrieben, dass materielle Güter praktisch kostenlos und unbegrenzt verfügbar sind. Geld verliert seinen Zweck, traditionelle Wirtschaftssysteme werden obsolet, und die Menschen sind frei, ihren eigenen Interessen nachzugehen.

Die konsequenteste literarische Darstellung ist Iain M. Banks' Culture-Serie (ab 1987). Die Culture ist eine interstellare Zivilisation, in der superintelligente KIs (Minds) sämtliche Produktion, Verwaltung und Verteidigung übernehmen. Es gibt kein Geld, keinen Staat im traditionellen Sinn und keine Pflicht zur Arbeit. Menschen modifizieren ihre Körper nach Belieben, wechseln das Geschlecht, leben Jahrhunderte lang und beschäftigen sich mit dem, was ihnen Freude macht.

Star Treks Föderation ist das populärste Beispiel: Replikatoren erzeugen Nahrung und Gebrauchsgegenstände aus Energie, und die Abschaffung des Geldes wird mehrfach erwähnt. Cory Doctorows Walkaway (2017) beschreibt den Übergang zu einer Postknappheitsgesellschaft, in dem Gruppen von Aussteigern mit 3D-Druckern und Open-Source-Technologie ihre eigene Versorgung aufbauen.

Kritik an der Idee kommt aus verschiedenen Richtungen. Manche Autoren argumentieren, dass Knappheit nicht nur materiell ist: Aufmerksamkeit, Status und einzigartige Erfahrungen bleiben knapp, auch wenn materielle Güter im Überfluss vorhanden sind. Ursula K. Le Guins Planet der Habenichtse (1974) zeigt eine Gesellschaft, die auf Besitzverzicht statt auf Überfluss gebaut ist, als Alternative zum Konsumismus.

Die reale Debatte um bedingungsloses Grundeinkommen, automatisierte Fertigung und die Kostenentwicklung erneuerbarer Energien berührt genau die Fragen, die diese Romane seit Jahrzehnten durchspielen.

Das eigentliche Problem der Postknappheitsgesellschaft liegt nicht in der Technik, sondern in der Verteilung. Eine Gesellschaft, in der Maschinen alles produzieren können, muss trotzdem entscheiden, wem die Maschinen gehören. Wenn sie einer Minderheit gehören, entsteht keine Utopie, sondern eine neue Form von Feudalismus. Die Science Fiction, die das ehrlich beschreibt, zeigt immer, dass Postknappheit keine Selbstverständlichkeit ist. Sie ist das Ergebnis einer politischen Entscheidung.