Verfilmung

Solaris (1972/2002)

Zwei Verfilmungen von Stanislaw Lems Roman über einen denkenden Ozean.

Stanisław Lems Roman Solaris (1961) wurde zweimal verfilmt und beide Male verfehlte die Adaption nach Meinung des Autors den Kern seines Buches. Im Roman ist der Ozean von Solaris eine radikal fremde Intelligenz, mit der jede Kommunikation scheitert. Die Frage ist nicht, ob wir den Ozean verstehen, sondern ob menschliches Denken überhaupt in der Lage ist, etwas wirklich Fremdes zu begreifen.

Andrei Tarkowskis Version (1972) ist langsam, meditativ und visuell überwältigend. Der Film gilt als einer der größten Kunstfilme aller Zeiten und als Gegenentwurf zu Kubricks 2001. Wo Kubrick kalt und kosmisch inszeniert, ist Tarkowski warm und menschlich: Er macht aus der Solaris-Geschichte eine Meditation über Schuld, Erinnerung und die Unmöglichkeit, Verlorenes zurückzugewinnen. Die berühmte Autobahnszene (fünf Minuten Fahraufnahmen durch Tokio als visueller Übergang vom Irdischen zum Kosmischen) polarisiert bis heute.

Steven Soderberghs Remake (2002) mit George Clooney ist zugänglicher und kürzer, konzentriert sich aber noch stärker auf die Liebesgeschichte. Lem war mit beiden Filmen unzufrieden: Er wollte die Begegnung mit dem Fremden, nicht die Aufarbeitung menschlicher Beziehungen. Trotzdem haben beide Filme das Genre bereichert und die Frage nach den Grenzen menschlichen Verstehens ins Zentrum einer SF-Erzählung gestellt.

Wer beide Verfilmungen und Lems Roman kennt, hat drei grundverschiedene Werke vor sich, die dieselbe Ausgangssituation nutzen. Lem wollte eine Parabel über die Grenzen der Wissenschaft. Tarkowski wollte eine Meditation über Schuld und Erinnerung. Soderbergh wollte eine Liebesgeschichte. Keiner davon hat die anderen widerlegt: Der Ozean von Solaris ist groß genug für alle drei.

Die eigentliche Stärke von Lems Roman liegt in seiner konsequenten Verweigerung. Es gibt keine Lösung, keine Verständigung, keinen Durchbruch. Die Wissenschaftler auf der Station veröffentlichen Tausende von Studien über Solaris, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, was sie beobachten. Das ist unbequemer als jedes Monster: die Möglichkeit, dass Intelligenz außerhalb der menschlichen Form schlicht nicht kommunizierbar ist.

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Solaris (1972/2002). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/solaris-film/ (abgerufen am 17.06.2026).

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