Terraformers (2023)
Strategiespiel: Den Mars bewohnbar machen, Schritt für Schritt.
Asteroid Lab (Schweizer Indie-Studio) veröffentlichte 2023 ein rundenbasiertes Strategiespiel, das den Terraforming-Prozess des Mars in handhabbare Schritte zerlegt. Jede Runde wählt der Spieler einen neuen Stadtleiter mit besonderen Fähigkeiten, erkundet neue Regionen, baut Städte und trifft Entscheidungen, die Atmosphäre, Temperatur und Ozeanpegel beeinflussen.
Der Mars verändert sich visuell über die Spielzeit: Zu Beginn eine staubige rote Wüste, dann grüne Flecken, schließlich blaue Ozeane und Wolken. Lebensformen werden eingeführt: erst Bakterien, dann Moose, schließlich komplette Ökosysteme mit Tieren. Die Ausbreitungsmechanik erinnert an echte Terraforming-Theorien: Treibhausgase freisetzen, Magnetfeld-Generatoren bauen, Kometen umleiten.
Das Spiel komprimiert in wenigen Stunden, was Kim Stanley Robinson in Red Mars, Green Mars und Blue Mars über Jahrhunderte beschreibt. Die einzelnen Schritte sind dabei erstaunlich nah an der wissenschaftlichen Diskussion: Welche Gase braucht die Atmosphäre? Wie verhindert man, dass das Wasser wieder ins All entweicht? Wie schnell können Pflanzen den Boden stabilisieren?
Wer den Terraforming-Prozess literarisch vertiefen will, liest Robinsons Mars-Trilogie oder 2312 (Robinson), wo das Terraforming auf das gesamte Sonnensystem ausgeweitet wird.
Asteroid Lab hat das Spiel mit einer Entscheidungsstruktur ausgestattet, die moralische Fragen stellt, die in vielen Aufbauspielen fehlen. Soll man schnell terraformen oder auf Nachhaltigkeit setzen? Soll man einheimische Bakterienstämme einführen, die den Boden bereiten, oder chemisch beschleunigen? Diese Entscheidungen haben Konsequenzen für die Ökologie des entstehenden Planeten. Das ist eine spielbare Version der Debatten, die Terraforming-Forscher und SF-Autoren seit Jahrzehnten führen.
Kim Stanley Robinsons Mars-Trilogie hat die Debatte um Terraforming in der SF-Literatur geprägt wie kein anderes Werk. Die Spannung zwischen den 'Reds' (die Mars so belassen wollen, wie er ist) und den 'Greens' (die ihn bewohnbar machen wollen) ist eine genuine ethische Frage: Hat eine Biosphäre einen Eigenwert, auch wenn sie leblos ist? Hat ein Mensch das Recht, einen Planeten zu verändern, auch wenn das bedeutet, seine ursprüngliche Natur zu zerstören? Terraformers behandelt diese Fragen nicht so explizit wie Robinson, aber das Gameplay enthält die Entscheidungen.
Das Spieldesign des Studios kommt aus der Tradition von Civilization und anderen rundenbasierten Aufbauspielen, aber der Fokus auf Ökologie und planetare Systeme macht Terraformers zu einem der thematisch interessantesten Spiele in seinem Segment. Wer nach dem Spielen mehr wissen will: Die NASA hat echte Terraforming-Konzepte für den Mars entwickelt, die im Gegensatz zur Spielversion Jahrhunderte oder Jahrtausende benötigen würden.
Aus dem Forum
Diskutiere diesen Begriff mit Lesern und Autoren im BuchKnall-Forum.
Im Forum diskutierenDiesen Eintrag zitieren
Terraformers (2023). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/terraformers-spiel/ (abgerufen am 17.06.2026).
Verwandte Begriffe