Hat die Science-Fiction es gewusst?
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Manchmal steht etwas in einem Roman, einem Heft oder einer Fernsehfolge, und Jahre später passiert es. Oder Menschen erleben es, ohne das Buch je gelesen zu haben. Zufall ist die bequemste Antwort. Bei den folgenden neun Fällen reicht sie uns nicht. Wir erzählen, was dokumentiert ist, und lassen offen, was offen ist.
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Akte 011898 · 1912
Das Schiff hieß Titan
Im Jahr 1898 erscheint in New York ein schmaler Roman von Morgan Robertson, einem ehemaligen Seemann. Er heißt „Futility“ und erzählt von der Titan, dem größten und schnellsten Schiff der Welt. Alle halten es für unsinkbar, und an Bord gibt es zu wenige Rettungsboote für alle Passagiere.
In einer Aprilnacht rammt die Titan im Nordatlantik einen Eisberg und sinkt. Nur dreizehn Menschen überleben.
Vierzehn Jahre später, in der Nacht zum 15. April 1912, sinkt die Titanic im Nordatlantik nach dem Zusammenstoß mit einem Eisberg. Auch sie galt als unsinkbar, auch sie hatte zu wenige Rettungsboote. Nach dem Unglück hielten viele Robertson für einen Hellseher. Er selbst wies das zurück, er kenne eben die Seefahrt.
Ein Seemann kennt Schiffe und Eisberge. Aber woher kam der Name?
Quellen: Morgan Robertson, Futility (1898) · Wikipedia: Futility, or the Wreck of the Titan
Akte 02August 1929
Schlangenwesen am Königshof
Im August 1929 druckt das Pulp-Magazin Weird Tales eine Geschichte von Robert E. Howard, dem späteren Erfinder von Conan. Sie heißt „The Shadow Kingdom“. König Kull, ein Barbar auf dem Thron des alten Reiches Valusia, macht darin eine Entdeckung: Die Schlangenmenschen, eine Rasse, die älter ist als die Menschheit, haben seinen Hof unterwandert.
Sie können menschliche Gestalt annehmen. Sie sitzen in seinem Rat, tragen die Gesichter seiner Vertrauten und planen, ihn durch einen Doppelgänger zu ersetzen. Wer sie entlarven will, muss ihnen ein uraltes Wort sagen, das ihre Kehlen nicht aussprechen können.
Fast hundert Jahre später erzählen Menschen auf der ganzen Welt eine erstaunlich ähnliche Geschichte über die Mächtigen von heute.
Hat Howard etwas geahnt, oder hat seine Geschichte die Welt geprägt?
Quellen: Robert E. Howard, The Shadow Kingdom, Weird Tales, August 1929
Akte 0310. und 22. Februar 1964
Zwölf Tage vor den Augen
In der Nacht vom 19. auf den 20. September 1961 fahren Betty und Barney Hill durch New Hampshire nach Hause. Sie sehen ein Licht am Himmel, das ihnen folgt. Als sie ankommen, fehlen ihnen nach eigener Aussage rund zwei Stunden.
Jahre später lassen sie sich vom Psychiater Benjamin Simon hypnotisieren. Am 22. Februar 1964 beschreibt Barney unter Hypnose die Wesen, die er gesehen hat, und vor allem ihre Augen: „Alles, was ich sehe, sind diese Augen.“ Er zeichnet sie, groß und um den Kopf gezogen.
Zwölf Tage vorher, am 10. Februar 1964, lief in den USA eine Folge der Fernsehserie The Outer Limits mit dem Titel „The Bellero Shield“. Darin erscheint ein Außerirdischer mit genau solchen Augen. Der Forscher Martin Kottmeyer hat auf diese Nähe hingewiesen. Ob Barney Hill die Folge gesehen hat, weiß niemand.
Hat Barney eine Fernsehfolge erinnert, oder hat die Serie etwas gezeigt, das es wirklich gibt?
Quellen: Wikipedia: Barney and Betty Hill · Martin Kottmeyer
Akte 04März 1945 · Juni 1947
Das Heft, das die Untertassen ankündigte
Im März 1945 erscheint im Science-Fiction-Magazin Amazing Stories eine Titelgeschichte von Richard Shaver: „I Remember Lemuria!“. Sie handelt von den Deros, bösartigen Wesen in Höhlen unter der Erde, die mit uralten Maschinen die Gedanken der Menschen an der Oberfläche lenken. Herausgeber Ray Palmer bewirbt sie als „The Shaver Mystery“.
Dann passiert etwas, mit dem niemand gerechnet hat. Nach Palmers Angaben treffen bis 1949 zehntausende Briefe von Lesern ein, die schreiben, sie hätten Ähnliches erlebt. Die Auflage steigt von etwa 135.000 auf 185.000 im Monat. Und Amazing Stories zeigt scheibenförmige Raumschiffe, fast ein Jahr bevor die Welt von fliegenden Untertassen spricht.
Im Juni 1947 meldet der Pilot Kenneth Arnold neun leuchtende Objekte am Mount Rainier. Palmer sieht darin eine Bestätigung für Shaver. Im Frühjahr 1948 gründet er ein neues Magazin, Fate, und in dessen erster Ausgabe erzählt Arnold seine Geschichte.
Hat ein Science-Fiction-Heft die Welle vorbereitet, oder hatten seine Leser schon gesehen, was bald alle sehen sollten?
Quellen: Wikipedia: Shaver Mystery, Fate (magazine) · Michael Barkun
Akte 05Januar bis März 1946
Ein Raketenpionier ruft eine Göttin
Jack Parsons gehört zu den Gründern des Jet Propulsion Laboratory, heute das Raumfahrtzentrum der NASA in Kalifornien. Er ist auch Okkultist, ein Anhänger Aleister Crowleys. In seinem Haus in Pasadena wohnt 1946 ein Science-Fiction-Autor: L. Ron Hubbard.
Von Januar bis März 1946 halten die beiden eine Reihe von Ritualen ab, die später „Babalon Working“ heißen. Ihr Ziel: die Göttin Babalon in Menschengestalt zu rufen. Kurz nachdem Parsons das erste Ritual für gelungen erklärt hat, begegnet er der Künstlerin Marjorie Cameron. Er ist überzeugt, dass sie die Gerufene ist. Die beiden heiraten.
Hubbard und Parsons gründen noch eine gemeinsame Firma, dann bricht Hubbard mit einem Teil des Geldes nach Florida auf. 1950 veröffentlicht er „Dianetik“, daraus wird Scientology. Parsons stirbt am 17. Juni 1952 bei einer Explosion in seinem Heimlabor. Offiziell war es ein Unfall.
Was haben die beiden in diesen Nächten gerufen?
Quellen: Wikipedia: Babalon Working, Jack Parsons
Akte 061953
Drei Männer in schwarzen Anzügen
1952 gründet Albert K. Bender das International Flying Saucer Bureau, den ersten großen privaten UFO-Club der Welt. 1953 löst er ihn von heute auf morgen auf.
Später erzählt er, warum: Drei Männer in schwarzen Anzügen hätten ihn besucht. Sie hätten sich in Gedanken mit ihm verständigt und ihm eine Metallscheibe gegeben. Sein Weggefährte Gray Barker schreibt darüber das Buch „They Knew Too Much About Flying Saucers“, Bender selbst 1962 „Flying Saucers and the Three Men“. So kommen die Men in Black in die Welt, Jahrzehnte bevor Hollywood eine Komödie daraus macht.
Im selben Jahr 1953 empfiehlt ein geheimes Gremium der CIA, private UFO-Gruppen zu beobachten, wegen ihres möglicherweise großen Einflusses auf das Denken der Massen. Mehr dazu im Eintrag zu Project Blue Book.
Wer hat Albert Bender im Jahr 1953 besucht?
Quellen: Wikipedia: Albert K. Bender, Robertson Panel
Akte 0720. Februar 1974
Der rosa Lichtstrahl
Am 20. Februar 1974 erholt sich Philip K. Dick von der Entfernung eines Weisheitszahns. Eine junge Frau bringt ihm Schmerzmittel. Um den Hals trägt sie einen goldenen Fisch, ein Zeichen der frühen Christen, wie sie ihm erklärt.
In den Wochen danach erlebt Dick Visionen, darunter einen rosa Lichtstrahl voller Information. Der Strahl, so erzählt er, habe ihm gesagt, dass sein kleiner Sohn krank sei. Die Familie bringt das Kind ins Krankenhaus, und die Ärzte bestätigen die Diagnose.
Bis zu seinem Tod 1982 schreibt Dick rund 8.000 Seiten Notizen über das, was ihm begegnet ist. Er nennt es Zebra, Gott oder VALIS, das „Vast Active Living Intelligence System“. Daraus wird sein Roman VALIS.
Was hat Philip K. Dick im Februar 1974 erreicht?
Quellen: Wikipedia: Philip K. Dick, The Exegesis of Philip K. Dick
Akte 08März 1944
Die Bombe, die es noch nicht gab
Im März 1944 erscheint im Magazin Astounding Science Fiction die Kurzgeschichte „Deadline“ von Cleve Cartmill. Sie beschreibt eine Bombe aus Uran-235, mit technischen Einzelheiten.
Zu dieser Zeit arbeiten in Los Alamos Tausende Menschen streng geheim genau an so einer Waffe. Das FBI und die Spionageabwehr der Armee ermitteln gegen Cartmill, seinen Herausgeber John W. Campbell und das Magazin. Sogar Cartmills Briefträger wird als Informant eingesetzt. Campbell sagt, alles stamme aus öffentlich zugänglichen Quellen.
Siebzehn Monate nach dem Heft fällt die erste Atombombe auf Hiroshima.
Wie nah kann man einem Geheimnis kommen, ohne es zu kennen?
Quellen: Astounding Science Fiction, März 1944 · BuchKnall: SF-Vorhersagen
Akte 091726 · 1877
Zwei Monde, 151 Jahre zu früh
In „Gullivers Reisen“ von 1726 lässt Jonathan Swift die Astronomen der fliegenden Insel Laputa zwei kleine Monde des Mars entdecken. Er nennt sogar ihre Entfernungen und Umlaufzeiten.
Kein Teleskop seiner Zeit hätte solche Monde zeigen können. Erst im August 1877 findet Asaph Hall am US Naval Observatory in Washington Phobos und Deimos, zwei winzige Monde, die dem Mars sehr nah sind. Zwei Krater auf Deimos heißen heute Swift und Voltaire.
Woher hatte Swift seine Zahlen? Er hat es nie verraten.
Quellen: Jonathan Swift, Gullivers Reisen, Teil III · BuchKnall: SF-Vorhersagen
Tiefer ins Kaninchenloch
Mehr Fälle, in denen ein Roman zuerst da war, stehen in unserer Sammlung der Science-Fiction-Vorhersagen. Wie aus einzelnen Sichtungen große Erzählungen werden, zeigen die UFO-Verschwörungstheorien und die bekanntesten UFO-Sichtungen. Und wer selbst nachsehen will, was über Deutschland gemeldet wurde, findet es auf unserer UFO-Karte.
Häufige Fragen
Hat ein Roman den Untergang der Titanic vorhergesagt?
1898, vierzehn Jahre vor dem Unglück, erschien Morgan Robertsons Roman „Futility“. Darin sinkt der als unsinkbar geltende Ozeanriese Titan in einer Aprilnacht im Nordatlantik nach einem Zusammenstoß mit einem Eisberg, und für die Passagiere gibt es zu wenige Rettungsboote. Robertson selbst bestritt, ein Hellseher zu sein.
Woher kommen die großen schwarzen Augen der Aliens?
Barney Hill beschrieb sie am 22. Februar 1964 unter Hypnose. Zwölf Tage zuvor lief die Folge „The Bellero Shield“ der Serie The Outer Limits mit einem Außerirdischen, dessen Augen sich um den Kopf ziehen. Ob Barney die Folge gesehen hat, ist nicht bekannt.
Wo tauchen die Reptiloiden zuerst auf?
Eine der frühesten Geschichten über Schlangenwesen, die Menschengestalt annehmen und einen Königshof unterwandern, ist Robert E. Howards „The Shadow Kingdom“ aus dem Pulp-Magazin Weird Tales vom August 1929.



