Ansible-Kommunikation
Ursula K. Le Guins Erfindung eines Geräts für instantane Kommunikation über beliebige Entfernungen wurde zum Standardbegriff der Science-Fiction für überlichtschnelle Nachrichtenübertragung.
Ursula K. Le Guin erfand den Ansible 1966 in ihrem Roman Rocannons World als Gerät, das Nachrichten augenblicklich über jede Entfernung sendet. Der Name leitet sich vom englischen 'answerable' ab. In Le Guins Hainish-Zyklus ermöglicht der Ansible die Koordination der Liga der Welten (später: Ekumen) über interstellare Distanzen, ohne auf lichtjahrelange Signallaufzeiten warten zu müssen.
Das Konzept löst ein fundamentales Problem der interstellaren Science-Fiction: Wie regiert man ein galaktisches Imperium, wenn eine Nachricht von einem Ende zum anderen Jahrzehnte oder Jahrhunderte braucht? Ohne sofortige Kommunikation zerfällt jedes interstellare Gemeinwesen in autonome Einzelteile, weil zentrale Entscheidungen zu langsam bei den Kolonien ankommen. Le Guin nutzte den Ansible, um die politischen Strukturen ihres Universums plausibel zu machen, behielt aber die Einschränkung bei, dass der Ansible keine Materie transportiert: Reisen dauern weiterhin Jahre.
Orson Scott Card übernahm den Begriff in Enders Game (1985) und Enders Schatten. In Cards Universum ermöglicht der Ansible die Echtzeitsteuerung einer Flotte über Lichtjahre hinweg, was den taktischen Kern der Geschichte bildet: Ender befehligt Schlachten, die am anderen Ende der Galaxie stattfinden, ohne zu wissen, dass es echte Schlachten sind. Card benannte den Ansible ausdrücklich als Referenz auf Le Guin.
In der realen Physik ist überlichtschnelle Kommunikation nach dem aktuellen Stand der Relativitätstheorie unmöglich. Die Quantenverschränkung (die oft als Grundlage für fiktive Ansibles genannt wird) erlaubt zwar korrelierte Messungen über beliebige Entfernungen, aber keine Informationsübertragung. Das No-Communication-Theorem der Quantenmechanik zeigt, dass man aus den Messergebnissen allein keine Nachricht extrahieren kann, ohne einen klassischen (und damit lichtschnellen) Kommunikationskanal zu verwenden.
Trotzdem greifen viele Science-Fiction-Autoren auf quantenphysikalische Handwaving-Erklärungen zurück. In Vernor Vinges A Fire Upon the Deep (1992) existiert ein galaktisches Netzwerk, dessen Latenz von der kosmischen Region abhängt: In den Zonen der Langsamkeit nahe dem galaktischen Kern ist überlichtschnelle Kommunikation unmöglich, in den Zonen des Denkens funktioniert sie eingeschränkt, und in den Transzendenz-Regionen ist alles möglich. Vinge nutzt die variable Kommunikationsgeschwindigkeit als Weltenbau-Element, das die politische Geografie seiner Galaxie bestimmt.
Der Ansible hat sich inzwischen zum generischen Begriff für jede Form instantaner Kommunikation in der Science-Fiction entwickelt. In Videospielen (Mass Effect nutzt Quantum Entanglement Communicators), in der Fernsehserie The Expanse (die bewusst auf Ansibles verzichtet und die Signallaufzeit als dramatisches Element nutzt) und in der IT-Welt (Ansible ist auch der Name eines populären Automatisierungs-Tools von Red Hat) taucht der Begriff regelmäßig auf.
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Ansible-Kommunikation. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/ansible-kommunikation/ (abgerufen am 06.06.2026).
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