Astronomie

Atira-Asteroiden

Atira-Asteroiden bewegen sich vollständig innerhalb der Erdbahn und sind dadurch besonders schwer zu entdecken. Sie sind nur in der Dämmerung sichtbar.

Atira-Asteroiden, auch Apohele- oder Innere-Erde-Objekte genannt, sind die seltenste der vier Klassen erdnaher Asteroiden. Ihre Bahn liegt vollständig innerhalb der Erdbahn, ihr sonnenfernster Punkt bleibt unter 0,983 Astronomischen Einheiten. Sie überqueren die Erdbahn also nie. Benannt ist die Gruppe nach 163693 Atira, dem ersten bestätigten Vertreter, der 2003 entdeckt wurde.

Die Lage ihrer Bahnen macht Atira-Asteroiden extrem schwer beobachtbar. Von der Erde aus stehen sie immer in Sonnennähe und sind nur kurz in der Morgen- oder Abenddämmerung zu sehen, tief am Horizont und im hellen Himmel. Klassische Durchmusterungen am Nachthimmel finden sie kaum. Erst spezialisierte Suchprogramme und Weltraumteleskope, die nahe der Sonne beobachten, haben die Zahl der bekannten Atiras langsam erhöht.

Noch extremer ist die vorgeschlagene Untergruppe der Vatira-Asteroiden, deren Bahn sogar vollständig innerhalb der Venusbahn liegt. Das erste Objekt dieser Art wurde 2020 gefunden. Solche Körper sind nur in einem winzigen Zeitfenster der Dämmerung sichtbar und stellen die Beobachtungstechnik vor besondere Probleme. Künftige Missionen wie das geplante Infrarot-Weltraumteleskop NEO Surveyor sollen den blinden Fleck in Sonnenrichtung gezielt verkleinern, weil Wärmestrahlung diese Objekte unabhängig vom Sonnenlicht verrät.

Genau deshalb sind diese Objekte für die planetare Verteidigung eine offene Flanke. Asteroiden, die aus Richtung der Sonne kommen, lassen sich von der Erde aus erst spät erkennen, wie der Meteor von Tscheljabinsk 2013 in Erinnerung rief, der ungewarnt aus dem Tageshimmel kam. Die Atiras markieren damit die Grenze dessen, was bodengestützte Überwachung leisten kann.

Für die Science-Fiction sind Atira-Objekte ein reizvolles Motiv, weil sie das Bedrohungsszenario aus dem toten Winkel verkörpern. Ein Asteroid, der aus dem Sonnenlicht auftaucht und erst spät sichtbar wird, liefert dramaturgisch genau die knappe Vorwarnzeit, die viele Katastrophengeschichten brauchen. Die reale Beobachtungslücke macht solche Szenarien plausibler als jede erfundene Bedrohung.