Avatar (2009)
James Camerons visuell bahnbrechender Film über einen gelähmten Soldaten, der in den Körper eines Alien-Avatars versetzt wird und sich gegen die Kolonialmacht stellt, die den Mond Pandora seiner Ressourcen beraubt.
James Cameron arbeitete über ein Jahrzehnt an Avatar, weil die Technologie für seine Vision noch nicht existierte. Als der Film 2009 in die Kinos kam, setzte er neue Standards für 3D-Kino und Performance-Capture. Die Geschichte spielt auf Pandora, einem Mond des Gasriesen Polyphemus im Alpha-Centauri-System. Die Menschheit baut dort Unobtanium ab, ein Supraleiter-Mineral, das auf der Erde gebraucht wird. Die Na'vi, Pandoras einheimische Bevölkerung, stehen im Weg.
Jake Sully, ein querschnittsgelähmter Ex-Marine, übernimmt den Avatar seines verstorbenen Zwillingsbruders, einen gentechnisch gezüchteten Na'vi-Körper, der über eine neuronale Verbindung ferngesteuert wird. Cameron nutzt Jakes körperliche Befreiung im Avatar-Körper (er kann wieder laufen, springen, fliegen) als Metapher für den Perspektivwechsel: Wer die Welt aus den Augen der Kolonisierten sieht, kann die Kolonisierung nicht mehr rechtfertigen.
Die Kritik am Film war gespalten. Visuell war Avatar ein Durchbruch: Pandoras biolumineszente Wälder, die schwebenden Hallelujah-Berge und die fliegenden Banshees erzeugten eine Welt von beispielloser Detaildichte. Die Performance-Capture-Technologie von WETA machte die Na'vi zu glaubwürdigen Charakteren statt zu CGI-Marionetten. Die Geschichte allerdings folgte einem Muster, das Kritiker sofort als White-Savior-Narrativ identifizierten: Ein weißer Mann wird zum Anführer einer indigenen Kultur und rettet sie vor seiner eigenen Zivilisation. Cameron bestritt die Parallele nicht, verwies aber auf die Tradition kolonialkritischer Erzählungen von Dances with Wolves bis The Last Samurai.
Avatar spielte weltweit 2,92 Milliarden Dollar ein und war bis 2019 der umsatzstärkste Film aller Zeiten (Avengers: Endgame überholte ihn kurz, bevor ein Wiederanlauf Avatar den Rekord zurückgab). Avatar: The Way of Water (2022) setzte die Geschichte auf Pandoras Ozeanen fort und spielte weitere 2,32 Milliarden Dollar ein. Cameron plant mindestens drei weitere Filme, die verschiedene Regionen Pandoras und die fortschreitende Konfrontation mit der Erde erkunden.
Der Science-Fiction-Gehalt von Avatar liegt weniger in der Technologie (die Avatar-Steuerung, der interstellare Raumflug, das Unobtanium bleiben Handlungsmechanik) als im ökologischen Weltenbau. Pandoras Biosphäre funktioniert als vernetztes neuronales System: Die Bäume kommunizieren über Wurzelnetzwerke, die Na'vi können sich über ihren Zopf (Tsaheylu) direkt mit Tieren und dem planetaren Netzwerk verbinden. Cameron entwarf ein Ökosystem, das als Gegenmodell zur zerstörerischen menschlichen Zivilisation funktioniert, und verankerte damit eine ökologische Botschaft im kommerziell erfolgreichsten Film der Geschichte.
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Avatar (2009). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/avatar-2009/ (abgerufen am 05.06.2026).
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