Auszeichnung

Kurd-Laßwitz-Preis

Ältester und wichtigster deutscher SF-Preis, vergeben seit 1981 von Fachleuten.

Der Kurd-Laßwitz-Preis ist das deutsche Pendant zum amerikanischen Nebula Award und wird seit 1981 vergeben. Benannt ist er nach Kurd Laßwitz (1848–1910), einem Mathematiklehrer aus Gotha, der mit seinem Roman Auf zwei Planeten (1897) als Begründer der deutschsprachigen Science Fiction gilt. Das Buch beschrieb eine Begegnung zwischen Menschen und Marsianern und wurde in Deutschland ein Bestseller, blieb aber international lange unbekannt.

Das Besondere am Kurd-Laßwitz-Preis: Abstimmen dürfen ausschließlich professionell Arbeitende aus dem deutschsprachigen SF-Bereich. Autorinnen und Autoren, Übersetzer, Lektoren, Verleger, Grafiker und SF-Journalisten bilden die Wählerschaft. Damit ist der Preis ein reines Peer-Review-Urteil und kein Publikumspreis.

Vergeben wird in mehreren Kategorien: Bester deutschsprachiger Roman, Beste deutschsprachige Kurzgeschichte, Bestes ausländisches Werk, Beste Übersetzung, Beste Grafik und ein Sonderpreis. Die Kategorie für ausländische Werke kam 1983 hinzu und wurde 1997 von »Bester ausländischer Roman« zu »Bestes ausländisches Werk« erweitert, um auch Kurzgeschichten und Filme einzubeziehen.

Zu den bekanntesten Preisträgern gehören Andreas Eschbach (mehrfach, u.a. für Das Jesus Video), Frank Schätzing (Der Schwarm), Tom Hillenbrand (Hologrammatica, Qube) und Theresa Hannig. 2025 gewann Aiki Mira den Preis für Proxi, 2026 Nils Westerboer für Lyneham. Der Preis wird traditionell auf dem ElsterCon in Leipzig oder auf vergleichbaren Conventions verliehen.

Der Peer-Review-Charakter des Preises hat einen wichtigen Nebeneffekt: Er misst nicht Verkaufszahlen, sondern Qualitätsurteile von Menschen, die das Genre täglich lesen und bearbeiten. Ein Werk, das Übersetzer, Lektoren und Autoren begeistert, hat etwas geleistet, das reine Publikumspreise selten abbilden. Deshalb dient die Laßwitz-Liste als verlässlicherer Qualitätsfilter als Bestsellerlisten.

Kurd Laßwitz selbst ist eine Wiederentdeckung wert. Auf zwei Planeten erschien 1897, also vor H.G. Wells' War of the Worlds, und entwarf eine technologisch überlegene Marszivilisation, die mit der Erde in Kontakt tritt. Die Marsianer bei Laßwitz sind keine Invasoren, sondern Missionare einer fortgeschritteneren Gesellschaft. Das Buch wurde in Deutschland breit gelesen und hat eine ganze Generation von SF-Autoren geprägt, blieb aber außerhalb des deutschsprachigen Raums praktisch unbekannt. Dass der wichtigste deutsche SF-Preis nach ihm benannt ist, ist ein stiller Hinweis, wie eigenständig die deutschsprachige SF-Tradition neben der englischsprachigen steht.

Aus dem Forum

Diskutiere diesen Begriff mit Lesern und Autoren im BuchKnall-Forum.

Im Forum diskutieren
Diesen Eintrag zitieren

Kurd-Laßwitz-Preis. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/kurd-lasswitz-preis/ (abgerufen am 06.06.2026).