Otherwise Award
Preis für SF und Fantasy, die unser Verständnis von Gender erweitern.
Der Otherwise Award (bis 2019: James Tiptree Jr. Award) wird seit 1991 für Werke der Science Fiction und Fantasy vergeben, die unser Verständnis von Geschlecht und Gender erweitern oder hinterfragen. Ins Leben gerufen wurde er von den Autorinnen Pat Murphy und Karen Joy Fowler nach einer Diskussion auf der WisCon, einer feministischen SF-Convention in Madison, Wisconsin.
Der ursprüngliche Name ehrte Alice B. Sheldon, die unter dem männlichen Pseudonym James Tiptree Jr. schrieb und damit jahrelang die gesamte SF-Szene täuschte. Als 1977 bekannt wurde, dass hinter dem vermeintlichen Autor eine Frau steckte, löste das eine breite Debatte darüber aus, ob es so etwas wie geschlechtsspezifisches Schreiben überhaupt gibt. 2019 wurde der Preis in Otherwise Award umbenannt.
Die Jury veröffentlicht neben den Gewinnern eine Honor List, die in der Community als eine der besten Leseempfehlungslisten für progressive SF gilt. Zu den Preisträgern gehören Ursula K. Le Guin (für The Left Hand of Darkness, rückwirkend), China Miéville (für Iron Council) und Ann Leckie (für Ancillary Justice, ein Roman, in dem die Protagonistin keine Geschlechtsunterscheidung kennt und alle Personen mit weiblichen Pronomen bezeichnet).
Nach einer zweijährigen Pause (2022/2023) wurde der Preis 2024 wiederbelebt, diesmal mit einer Shortlist von drei bis sechs Gewinnern statt eines Einzelsiegers. 2025 gewann Silvia Park für Luminous.
Alice B. Sheldons Geschichte verdient mehr als eine Fußnote. Sie schrieb Science Fiction, weil sie glaubte, als Frau unter eigenem Namen nicht ernst genommen zu werden. Das Pseudonym James Tiptree Jr. wurde so überzeugend geführt, dass namhafte Autoren und Kritiker den Stil als unverkennbar männlich beschrieben. Als ihre Identität 1977 aufgedeckt wurde, stand die SF-Community vor der Frage, was das über ihre eigenen Annahmen sagt. Der Preis trägt dieses Erbe und macht es produktiv.
Ann Leckies Ancillary Justice ist der interessanteste Gewinner der letzten Jahre, weil er das Konzept so direkt und konsequent umsetzt wie kaum ein anderer Roman. Die Erzählerin kennt kein Geschlecht und verwendet konsequent feminine Pronomen für alle Personen. Das erzeugt beim Lesen eine merkwürdige Irritation: Man beginnt, sich selbst dabei zu ertappen, wie man versucht, Figuren ein Geschlecht zuzuordnen. Genau darum geht es. Der Otherwise Award zeichnet aus, was die Leserinnen und Leser verändert.
Aus dem Forum
Diskutiere diesen Begriff mit Lesern und Autoren im BuchKnall-Forum.
Im Forum diskutierenDiesen Eintrag zitieren
Otherwise Award. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/otherwise-award/ (abgerufen am 06.06.2026).
Verwandte Begriffe