Radioteleskop
Teleskop, das Radiowellen aus dem Kosmos empfängt und damit unsichtbare Phänomene sichtbar macht: Pulsare, Quasare, die kosmische Hintergrundstrahlung und potenzielle Signale außerirdischer Zivilisationen.
Ein Radioteleskop empfängt elektromagnetische Strahlung im Radiofrequenzbereich (Wellenlängen von Millimetern bis zu Metern), die für das menschliche Auge unsichtbar ist. Viele der spektakulärsten Objekte im Universum strahlen hauptsächlich im Radiobereich: Pulsare, Quasare, Supernova-Überreste, kalte Gaswolken und die kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung.
Karl Jansky entdeckte 1932 zufällig kosmische Radiostrahlung, als er bei den Bell Labs Störquellen für Transatlantik-Telefonie untersuchte. Grote Reber baute 1937 das erste gezielte Radioteleskop in seinem Garten. Das Arecibo-Observatorium (1963 bis 2020, eingestürzt nach Kabelbruch) war mit 305 Metern Durchmesser jahrzehntelang das größte Einzelteleskop der Welt. Seit 2016 hält das chinesische FAST (Five-hundred-meter Aperture Spherical Telescope) mit 500 Metern diesen Rekord.
Radioteleskope sind das zentrale Werkzeug der SETI-Forschung (Search for Extraterrestrial Intelligence). Das Wow!-Signal, 1977 vom Big Ear Teleskop in Ohio empfangen, bleibt das stärkste Kandidatensignal in der SETI-Geschichte. Breakthrough Listen, finanziert von Yuri Milner, nutzt seit 2015 die leistungsfähigsten Radioteleskope der Welt für die systematischste Suche nach außerirdischen Signalen.
In der Science Fiction sind Radioteleskope oft der Ort des Erstkontakts. In Carl Sagans Contact (1985, verfilmt 1997 mit Jodie Foster) empfängt das Arecibo-Teleskop ein Signal von der Wega. In der Realität durchsucht SETI täglich Milliarden Frequenzen, bisher ohne bestätigten Treffer.
Gerade weil Radiowellen einen großen Teil der kosmischen Phänomene überhaupt erst sichtbar machen, hat das Radioteleskop die Astronomie grundlegend erweitert. Vieles, was das optische Universum verbirgt, leuchtet im Radiobereich hell auf: rotierende Neutronensterne als präzise Pulsare, die aktiven Kerne ferner Galaxien als Quasare und kalte Wasserstoffwolken, aus denen neue Sterne entstehen. Sogar das Nachglühen des Urknalls selbst, die kosmische Hintergrundstrahlung, wurde mit Radioempfängern entdeckt. Der Bau immer größerer Anlagen wie des chinesischen FAST oder des im Aufbau befindlichen Square Kilometre Array, das Tausende Antennen über zwei Kontinente verbindet, treibt die Empfindlichkeit weiter voran. Diese gewaltige Reichweite ist zugleich der Grund, warum Radioteleskope das wichtigste Werkzeug der Suche nach außerirdischer Intelligenz sind, denn eine technologische Zivilisation würde sich am ehesten durch künstliche Radiosignale verraten. Der Einsturz des legendären Arecibo-Observatoriums 2020 war daher ein schmerzlicher Verlust, doch neue Anlagen setzen die Suche fort, die seit Jahrzehnten lauscht, ob aus dem Rauschen des Kosmos jemals ein bewusstes Signal hervortritt.
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