Raumfahrt

Rocket Lab

Ein neuseeländisch-amerikanisches Raumfahrtunternehmen, das mit der Electron-Rakete den Zugang zum Orbit für kleine Satelliten demokratisiert hat. Rocket Lab entwickelt mit Neutron eine wiederverwendbare Mittelklasserakete.

Rocket Lab
Yourong F. Wang (CC BY-SA 4.0)

Rocket Lab wurde 2006 von Peter Beck in Neuseeland gegründet und hat seinen Hauptsitz inzwischen in Long Beach, Kalifornien. Das Unternehmen betreibt Startplätze auf der Mahia-Halbinsel in Neuseeland (Launch Complex 1) und auf Wallops Island in Virginia (Launch Complex 2).

Die Electron-Rakete ist ein Kleinträger, der bis zu 300 kg in den niedrigen Erdorbit bringen kann. Sie fliegt seit 2018 kommerziell und hat bis Anfang 2025 über 50 erfolgreiche Starts absolviert. Das Rutherford-Triebwerk ist das erste flugqualifizierte Raketentriebwerk, das vollständig per 3D-Druck (Electron Beam Melting) hergestellt wird, inklusive Einspritzkopf, Turbopumpen und Brennkammer.

Besonderheit: Rocket Lab versucht die erste Stufe der Electron per Hubschrauber in der Luft einzufangen, statt sie wie SpaceX vertikal zu landen. Die Stufe kehrt an einem Fallschirm zurück, ein Hubschrauber fängt die Leine im Flug ein. Erste Tests haben funktioniert, die operative Wiederverwendung ist in Entwicklung.

Die Neutron-Rakete (geplanter Erstflug 2025/2026) ist ein wiederverwendbarer Mittelklasseträger für bis zu 13 Tonnen in den LEO, konzipiert als Konkurrenz zu SpaceX Falcon 9. Die erste Stufe soll vertikal landen, und die Nutzlastverkleidung bleibt an der Oberstufe befestigt statt abgeworfen zu werden.

Rocket Lab baut auch Raumsonden: Die CAPSTONE-Mission (2022) flog zum Mond und testete den Near Rectilinear Halo Orbit für das Lunar Gateway. Zwei Photon-Sonden für die Venus-Mission der NASA sind in Planung.

Peter Beck, der Gründer und CEO von Rocket Lab, ist eine ungewöhnliche Figur in der New-Space-Szene. Er wuchs in Invercargill, der südlichsten Stadt Neuseelands, auf und hatte keinen akademischen Hintergrund in Luft- und Raumfahrt. Er brachte sich Raketentechnik durch Eigeninitiative bei und baute erste Systeme im heimischen Keller. Seine erste größere Rakete, die Atea-1, erreichte 2009 als erste private Rakete auf der südlichen Hemisphäre den Subraum.

Die Entscheidung, 3D-Druck für die Triebwerke der Electron einzusetzen, war strategisch mutig. Konventionelle Triebwerke werden aus zahlreichen maschinell bearbeiteten Einzelteilen gefügt, was Zeit und Kosten in die Höhe treibt. Rocket Labs Rutherford-Triebwerke entstehen in einem einzigen Fertigungsprozess, mit weniger Fehlerquellen und deutlich schnelleren Produktionszyklen. Das erlaubt Rocket Lab, höhere Startraten zu erreichen als die meisten vergleichbaren Unternehmen.

Für die SF-Gemeinschaft ist Rocket Lab interessant, weil das Unternehmen zeigt, dass private Raumfahrt kein amerikanisches Großstadtphänomen sein muss. Dass ein Unternehmen in Neuseeland gegründet wurde und heute Missionen für NASA und US-Militär fliegt, ist eine Entwicklung, die viele SF-Szenarien über die Demokratisierung des Weltraums vorweggenommen haben. Die Vorstellung, dass nicht nur Supermächte Raumfahrt betreiben, gehört zu den älteren SF-Versprechen, und Rocket Lab erfüllt es.

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