Kurzgeschichte · 12 Min. Lesezeit
Das Mosaik der Träume
von Beatrice Sonntag
Meine Träume gehören mir alleine!
Sie gingen nebeneinander her. „Heute hat es endlich geklappt. Es waren nur noch hundert Tickets übrig.“ Buck gab einen freudigen Klicklaut von sich. Lurchköter waren sehr empathische Tiere. „Wir fahren zum Mosaik Festival!“ Ramo kraulte Buck hinter den verkümmerten Kiemen.
Wenige Tage später waren die beiden in Ramos Taxi unterwegs, um nach Bamirion VIII zu fliegen. Eine Glückssträhne, dachte Ramo, als er auf seine zwei Fahrgäste schaute. Er hatte sogar zahlende Passagiere gefunden, die ebenfalls zum Festival wollten. Es waren Zelonier, wie er, allerdings waren sie an der Schulter zusammengewachsen, was bei seiner Spezies oft vorkam.
Der Anflug auf Bamirion VIII verlief ohne Zwischenfälle. Einem der Passagiere wurde ein wenig übel, als Ramo in die Atmosphäre des Planeten eintauchte, aber zum Glück musste er sich nicht übergeben. Er quietschte nur mitleiderregend.
Ramo wurde ein Parkplatz am Ende der Anlegestelle zugewiesen, aber er ließ sich von solchen Kleinigkeiten nicht die Vorfreude nehmen. Er war unter den Auserwählten, die in diesem Jahr am Mosaik Festival teilnehmen durften.
Mit Buck, der hechelnd hinter ihm hertrottete, ließ Ramo die Einreiseformalitäten über sich ergehen. Für die Achtminutenquarantäne wurde er in einen Alkoven geschickt, in dem alle Krankheitserreger in ihren Körpern aufgespürt und eliminiert wurden. Ihm wurde kalt und es kitzelte in den Knochen, aber acht Minuten waren eine überschaubare Zeit. Buck war etwas weniger tapfer und jaulte jämmerlich in dem Alkoven für Sechsbeiner.
„Es ist vorbei, mein Guter!“ Ramo drückte den zitternden Buck liebevoll an sich, als das arme Tier aus dem Alkoven stolperte und ihn vorwurfsvoll anknurrte.
Ramo fand dank der aufdringlichen Hologramme, die ohne seine Erlaubnis Daten direkt aus seinem persönlichen Datenspeicher herauslasen, schnell sein Hotel. Sein Budget ließ nur eine Schlafkoje in einem gemischten Schlafsaal zu. Immerhin gab es unter der Koje neben der Box für Buck auch ein absperrbares Fach für seine Sachen.
„Hi.“ Ein junger Mann vom Planeten Korro grinste ihn freundlich an. Woher er kam, erkannte Ramo an den großen Schlappohren, an der leicht transparenten Haut und daran, dass der Mann keinen Hals hatte.
„Hi.“ Ramo verstaute seinen Rucksack.
„Ich habe die Koje neben dir.“ Der Korrone klopfte auf das frisch gemachte Bett.
Ramo nickte. Er tätschelte Bucks Kopf, als dieser sich an sein Bein drückte. Er mochte Fremde nicht. Da schien Buck eine Witterung aufzunehmen und im nächsten Moment sprang er an dem Mann hoch.
„Buck, nein!“ Ramo ging in die Hocke und versuchte, Buck davon abzubringen, den Fremden zu belästigen. „Entschuldigen Sie. Das tut er sonst nie.“
Zu Ramos Erstaunen bückte sich der Mann hinab und kraulte den Lurchköter hinter den verkümmerten Kiemen, genauso, wie er es gerne mochte.
„Ich habe auch einen“, sagte der Mann und pfiff über seine Schulter. Eine Lurchköterdame kam angehopst. Buck verlor augenblicklich das Interesse an dem Mann und wandte sich der Artgenossin zu. Während die beiden sich gegenseitig in die Ohren schnaubten, gab sich Ramo einen Ruck. „Ich bin Ramo.“
„Kulrups.“
Sie schüttelten sich die Hände. „Wie heißt denn dein Lurchköter?“
„Buck.“
„Meine heißt Burlops.“
Sie beschlossen, gemeinsam zum Festivalgelände zu gehen und es stellte sich heraus, dass Kulrups ein fröhlicher Zeitgenosse war. Und eine Quasselstrippe. Als sie das Tor erreichten, durch das die Festivalbesucher strömten, kannte Ramo schon seine halbe Lebensgeschichte.
Ein Hologamm kontrollierte die digitalen Eintrittskarten und Identitäten, was dank moderner Technologie schnell ging. Schon waren sie drin. Ramo blieb für einen Moment stehen und ließ seinen Blick über das Gelände schweifen, das leicht abschüssig vor ihnen lag. Tausende Kioske, Bühnen und Buden reihten sich wie auf einem gigantischen Jahrmarkt aneinander. Dazwischen befanden sich die großen Zelte, in denen die Traumschmiede tätig waren. Traumfähige Wesen von vielen Planeten waren unterwegs. Was für ein multikulturelles Durcheinander. Wie viele von ihnen wohl wie Ramo auf ihren ersten Traum im Leben warteten?
„Das Mosaik der Träume“, flüsterte Ramo ehrfürchtig.
„Bist du zum ersten Mal hier?“ Kulrups Ohren flatterten auf.
Ramo nickte, ohne den Blick von dem bunten Treiben zu nehmen.
„Es ist mein drittes Mal. Wenn du willst, zeige ich dir alles.“
Ramo trottete hinter Kulrups her, gefolgt von den beiden Lurchkötern. Er staunte, während Kulrups hier und da auf einen Stand zeigte, etwas erklärte oder Tipps gab.
„Man findet Nahrung für alle Spezies.“ Kulrups zeigte auf eine Leuchtreklame. „Schau, es gibt amusisches Ale. Das soll sich positiv auf die Kompatibilität mit den Traumschmieden auswirken. Könnte auch eine Marketingmasche sein.“
Ramo folgte dem Riesenrad mit den Augen, blickte einer scharfen Liaranerin hinterher, die traditionell nur mit einem Gürtel bekleidet war, und beobachtete einen jungen Glymphen, der Zahnseide verkaufte. Kulrups redete in einer Tour.
„Wann kann ich zu den Traumschmieden?“ unterbrach ihn Ramo.
„Sofort, wenn du willst.“ Die einen machten gleich nach dem Eintreffen die erste Traumerfahrung andere hoben sich das Ereignis für später auf. „Wie du es machst, ist es falsch.“ Kulrups hob entschuldigend die Arme. „Wie viele hast du?“
„Einen“, sagte Ramo leise. „Ich habe das Ticket in der Lotterie gewonnen. 44 Dekron. Ein Traum inklusive.“
„Glückwunsch“, rief Kulrups. Er hatte ein Business-Ticket mit fünf Träumen von seiner Firma bekommen. „Zehn Jahre Betriebszugehörigkeit.“ Er winkte ab. „Es wird dir gefallen. Viele Leute fangen gleich am Tag nach dem Fest wieder an zu sparen für nächstes Jahr.“ Die regulären Tickets kosteten ein Vielfaches von 44 Dekron.
„Ich will gleich hin“, sagte Ramo.
„Kein Ale vorher?“
Ramo schüttelte den Kopf.
„Komm.“ Kulrups deutete mit dem Kopf in Richtung der Zelte. Ramo wusste, dass es vier große Traumschmiedegilden gab. Die Besonderheiten der einzelnen Gilden kannte er nicht. „Hier war ich gestern. War echt gut!“
Die Lurche mussten sie vor dem Zelt lassen. Der Vorhang öffnete sich automatisch. Durch die roten Zeltplanen und das schwache Licht war die Atmosphäre innen warm und heimelig. Ein Duft, den Ramo nicht einordnen konnte, lag in der Luft, schwer und herb. Gedämpfte Stimmen drangen an seine Ohren.
„Schuhe aus“, flüsterte jemand.
Während sie barfuß auf dem weichen Teppich an den Kabinen der Traumschmiede vorbeischlenderten, erklärte Kulrups das Prinzip. Die Gilde hatte 24 Mitglieder. Alles erfahrene Traumschmiede. „Mit mindestens 40 Jahren Erfahrung“, betonte Kulrups. Er erklärte Ramo, dass die Traumschmiede ähnlich wie Schriftsteller bestimmte Genres bedienten.
„Je nachdem, ob dein Traum romantisch, abenteuerlich, gruselig, erotisch oder nostalgisch sein soll, ziehst du ein Ticket bei einem Traumschmied, der auf dem Gebiet arbeitet. Dann wartet man, bis man dran ist. Die Vorbereitung und Sicherheitseinweisung dauert 20 Lak und dann geht es los. Jede Session dauert 50 Lak, es sei denn, du brichst vorher ab.“
Abbrechen? Unsinn. Ramo würde die vollen 50 Lak auskosten. „Nostalgisch“, sagte er.
„Gute Wahl.“ Kulrups führte Ramo zu den Ticketsäulen. Diese waren an die antike Technik des Planeten angelehnt und man konnte ein kleines Papier mit einer Nummer ziehen. „Witzig, nicht wahr?“ Er zog einen Zettel für einen Abenteuertraum und zeigte Ramo, wie es funktionierte.
Klick. Schon hielt Ramo einen Zettel aus echtem Papier in den Händen. 44. Während sie auf den Kissen saßen und Kulrups in einem fort plauderte, drehte Ramo den Zettel zwischen den Fingern.
Kulrups’ Nummer wurde aufgerufen. Er hielt die Hand hoch, damit Ramo einschlagen konnte. „Ich warte auf dich. Dann gehen wir was essen!“ Kulrups verschwand durch den Vorhang in die Kammer seines Traumschmieds.
So hatte Ramo etwas Zeit, sich umzusehen. Unter dem großen Zelt waren kleine Zelte aufgebaut. Jedes hatte eine andere Farbe und überall waren bunte Schlangenlinien aufgestickt. Leute verschiedener Spezies warteten auf den Kissen. Ob sie alle so aufgeregt waren, wie er?
44 wurde aufgerufen. „Hier!“ Er musste husten, hievte sich hoch und stolperte auf das Zelt zu. Der Vorhang fiel hinter Ramo zu und seine Augen brauchten einen Moment, um sich an das schummrige Licht zu gewöhnen. Vier Agulianer, halb so groß wie Ramo, wuselten auf ihren dünnen Beinen um ihn herum. „Setzen!“ Sie krempelten seine Hosenbeine hoch und rieben seine Knöchel und Handgelenke mit einem frisch riechenden Öl ein. Mit einer Art Pipette gaben sie je einen Tropfen des Öls auf seine Schläfen. Sie zündeten eine Kerze an. Zwei der Agulianer rieben an seinen Schläfen, während die beiden anderen je einen halben Satz aus dem Sicherheitsbriefing vorlasen. Ramo wusste, dass Agulianer immer alles in Paaren taten, aber er hatte es noch nie erlebt.
„Sie müssen sich auf die Person oder“, sagte der eine.
„den Gegenstand Ihrer Nostalgie konzentrieren“, sagte der andere.
„damit der Traumschmied Ihren Traum möglichst“
„befriedigend gestalten kann.“ Sie erklärten, wie die Prozedur ablaufen würde.
„Wichtig.“
„Wichtig.“ Beide hoben einen dünnen Finger.
„Wenn Sie abbrechen wollen, denken Sie“
„an einen roten Ballon.“
Schon waren sie verschwunden. Ramo hatte nur halbherzig zugehört. Dann trat der Traumschmied ein. Es war eine alte Frau. Sie wedelte mit einem Schleier vor Ramos Gesicht und vollführte mit einer Schale kreisende Bewegungen. Daraus stieg ein zäher Rauch auf, der betörend nach Weihrauch und Honig roch. „Tief einatmen“, säuselte sie.
Die Frau rieb ihre Hände mit Öl ein und knetete sie. Dann legte sie die Handflächen auf Ramos Schläfen und forderte ihn auf, an den Gegenstand seiner Nostalgie zu denken. Ramo schloss die Augen und beschwor vor seinem inneren Auge das Bild seiner Großmutter herauf. Er sah Omi, die ihn auf der Schaukel anschob, die mit ihm ‚töte den Dämon‘ spielte, obwohl seine Mutter es nicht erlaubt hatte, die ihm Grünkohlkekse backte und ihm Fahrstunden im Raumschiff gab.
„Gut.“ Die Traumschmiedin löste ihre Hände von ihm und brachte erneut die Schale mit dem Räucherwerk zum kreisen. „Einatmen.“
Ramos Herz klopfte. Beim Einatmen bemerkte er, wie sich eine Schwere auf seine Augenlider legte. Ihm war, als sinke er in ein dickes wattiges Kissen. Nebel zog auf und als sich der Nebel legte, saß Ramo auf der Schaukel, an die er eben noch gedacht hatte. Unsicher bremste er die Schaukel ab und setzte beide Füße auf den Boden.
„Omi?“ Er drehte sich um, die Kette der Schaukel fest in der Hand.
„Hast du schon genug vom Schaukeln?“
Da stand wirklich seine Omi vor ihm. Neben ihr die Traumschmiedin. Er hatte sich nicht bewegt, hielt aber im nächsten Moment seine Omi im Arm. Ihm wurde schwindelig.
Die Szenerie wechselte und nun saßen Ramo, die Traumschmiedin und seine Omi in einer Kabine des Riesenrads, das er eben auf dem Festivalgelände gesehen hatte. Zwischen ihnen stand ein Spielbrett. Omi würfelte. Sie spielten ‚Töte den Dämon‘. Omi lachte ihr knarzendes Lachen und hieb unvermittelt mit der Faust auf das Spielbrett. Funken stoben und kleine Dämonen flogen kichernd durch die Luft. Ramo griff nach der Hand seiner Omi, um sie mit sich in die Luft zu ziehen. Er wollte mit seiner Omi alleine sein. „Erzähl mir von Opa“, bat Ramo, während die beiden über dem Festivalgelände schwebten.
In dem Moment sah er das wutverzerrte Gesicht der Traumschmiedin vor sich. Ein Nebel kam auf und die Hand seiner Omi entglitt ihm langsam. „Nein!“ Ramo schrie und packte die Hand so fest er konnte. Sein ganzer Körper verkrampfte sich und mit aller Kraft schaffte er es, dass Omi wieder aus dem Nebel hervortrat. Das Gesicht der Traumschmiedin verschwand. Ramo zog seine Omi mit sich in die Lüfte und sie schwebten über Bergen, Seen und Städten. Ramo lauschte seiner Omi. Sie erzählte Geschichten, von denen Ramo glaubte, dass er sie als Kind bereits gehört hatte. Sie roch wie Omi und sie sah aus wie Omi. Nur jünger und lebendig. Ramo hatte den Eindruck, dass eine sehr lange Zeit vergangen war. Vielleicht war das beim Träumen einfach so.
Klatsch. Ein Schwall kaltes Wasser ergoss sich in Ramos Gesicht. Er stöhnte und kam nur langsam zu sich.
„Hast du ihn?“ Ein Mann brüllte.
„Der hat mir den Traum zerschossen.“
„Wie soll er das können? Das war sein erstes Mal!“
„Das ist mir noch nie passiert“, verteidigte sich die Traumschmiedin. „Ein Freak. Ein Lucid.“
Ramo schlug die Augen auf. Jemand gab ihm eine Ohrfeige.
„Sicherheitsdienst! Ein Lucid!“
Ramo rannte aus dem Zelt, wo Kulrups mit den Kötern wartete. „Lasst euch bloß nicht wieder blicken!“ Die Traumschmiedin fauchte. Zwei Glymphen in Uniform kamen auf ihn zu. Also schnappte er sich seine Schuhe und zog Kulrups mit sich fort.
„Du warst lange drin“, keuchte Kulrups, der versuchte, mit ihm Schritt zu halten. Sie bogen ein paar mal scharf ab. Kulrups zerrte Ramo in eine Nische zwischen zwei Ständen und schaute vorsichtig um die Ecke.
„Sind sie noch hinter uns?“
„Nein. Was war los?“
„Ich wollte mit meiner Omi reden. Alleine. Ohne die Traumschmiedin.“
„Du meinst, du bist ohne Begleitung in deinem Traum unterwegs gewesen?“ Kulrups arteme schwer.
„Bis sie mich unsanft geweckt haben.“
„Unmöglich.“ Kulrups flüsterte. „Du konntest den Traum kontrollieren, ohne Traumschmied?“
Ramo nickte. „Darf man das nicht? Es war doch mein Traum.“
Kulrups erklärte im Flüsterton, dass die Traumschmiede behaupteten, dass nur sie, Wesen vom Planeten Haktullo in der Lage waren, Träume zu kontrollieren. „Es soll auch andere mit solchen Fähigkeiten geben. Man nennt sie Lucids. Auf vielen Planeten werden sie politisch verfolgt.“ Die Traumindustrie war ein hart umkämpfter Wirtschaftszweig.
„Bist du ein Lucid?“
„Nein.“ Ramo bückte sich zu Buck.
„Aber du sagst, du hast den Traum kontrolliert.“
Ramo zuckte mit den Schultern.
„Hier kannst du nicht bleiben. Komm mit.“
Seufzend folgte Ramo ihm zum Ausgang des Festivalgeländes. Die beiden Glymphen sah er nicht mehr. So hatte sein Festivalbesuch nicht verlaufen sollen.
Kulrups führte Ramo durch enge Gassen in eine dunkle Kneipe, wo Kulrups dem Barkeeper ein Zeichen machte. Ramo schaute sich hektisch um. Da saßen Gestalten mit tief ins Gesicht gezogenen Kappen. Sie verstummten, als Ramo sich näherte. Ramo wünschte sich beinahe, die Glymphen hätten ihn erwischt. „Was tun wir hier?“
„Vertrau mir“, zischte Kulrups. Durch einen schweren Vorhang traten sie in ein Hinterzimmer mit schwacher Beleuchtung. An einem Tisch saß ein Wesen mit Kapuze.
„Das ist Ramo. Er ist ein Lucid.“
„Was? Nein!“ Ramo schüttelte heftig den Kopf.
Die Kapuze wurde zurück gezogen und darunter kam der Kopf einer wunderschönen jungen Frau zum Vorschein. Sie zog eine Pipette hervor und forderte Ramo mit einer Handbewegung auf näher zu kommen. Zögerlich trat Ramo einen Schritt vor. Die Frau packte seine Hand erstaunlich fest und tropfte etwas Öl auf seine Handfläche. Derselbe Duft wie im Zelt der Traumschmiedin stieg auf.
„Los. Zeig es mir“, sagte die Frau und reckte ihm ihren Kopf entgegen.
Er schaute verwirrt zu Kulrups, der seine Hände packte und sie auf die Schläfen der Frau legte.
Nichts geschah. Ramo wollte seine Hände lösen, aber Kulrups drückte fester.
„Aber“, setzte Ramo an, doch da schoss ihm ein Bild durch den Kopf. Er sah die schöne Frau mit einer älteren Frau in einem Boot. Sie ruderten und atmeten schwer. Ramo saß ebenfalls in dem Boot und roch den frischen Schweiß der Frauen. Das Boot steuerte auf einen Wasserfall zu. Entsetzt schrie Ramo auf. „Nein!“ In dem Moment machte es plop und das Boot glitt auf ein ruhiges Gewässer zu. Enten schwammen um sie herum.
Ramo schüttelte sich und konnte mit einem Ruck seine Arme befreien.
„Und?“
Die Schöne riss die Augen auf und blinzelte Ramo an. „Er ist ein Lucid.“
„Nein. Ich kann nichts dafür. Es tut mir leid“, stammelte Ramo, der sich wie ein Eindringling im Traum der Frau gefühlt hatte. Er sah sich nach dem Ausgang um. Zwei muskelbepackte Männer kamen durch den Vorhang auf ihn zu. Lucids wurden politisch verfolgt. Jetzt saß er in der Falle. Sie hatten den Beweis. Wo war er da hinein geraten?
„Ich bin kein Lucid.“ Er zitterte. Buck drückte sich winselnd an sein Bein.
„Hast du schon einmal von den Freiträumern gehört?“ fragte die Frau.
„Nein.“ Ramo wich zur Seite aus. „Damit habe ich nichts zu tun.“
Eines der Muskelpakete knöpfte das Hemd auf und entblößte eine von Narben übersäte Brust. „40 Peitschenhiebe“, sagte er. „Das tun sie mit Lucids auf meinem Planeten.“
Ramo stammelte: „Ich bin nicht...“
„Wir sind Freiträumer“, sagte die Frau mit sanfter Stimme.
„Wir sind der Meinung, dass Träume kein Vermögen kosten und für jeden zugänglich sein sollten.“ Sie sah nun sehr traurig und ernst aus.
„Wir könnten jemanden wie dich gebrauchen. Jemanden, der Träume anleiten kann.“ Der Muskelprotz knöpfte sein Hemd zu und lächelte Ramo scheu an. „Bitte“, sagte er. „Schließ‘ dich uns an.“
„Habe ich eine Wahl?“ Ramo dachte an die Glymphen.
„Wenn du gehen willst, geleiten wir dich sicher zu deinem Schiff.“
Ramo schaute zu Buck, der seine Unsicherheit spürte. Der Lurchköter lief zu der schönen Frau, hielt kurz inne und schmiegte sich dann an ihr Bein. Also nickte Ramo. „Gut. Ich bleibe.“
ENDE