Ausgabe № 05 · November 2026 · Das digitale SciFi-Magazin
Die unendlichen Weiten
Wie weit kommt ein Mensch, und wie weit kommt das, was er losschickt?
- Sir Patrick Stewart, unser Jean-Luc Picard, ist von uns gegangen. Die Welt trauert.
- Voyager 1 ist am 18. November einen Lichttag entfernt
- Die einzige Antenne der Welt, die Voyager 2 noch erreicht
- Starship erreicht den Orbit und explodiert danach
- Zwei Interviews in voller Länge: Reinhold Zitzlsperger und Brandon Q. Morris
- Star Trek wird 60, Generationenschiffe, die Sombrero-Galaxie
Was in dieser Ausgabe steht29 Rubriken · antippen zum Aufklappen
Editorial
Ein Tag Licht
Am 18. November ist zum ersten Mal ein Menschenwerk einen ganzen Lichttag von uns entfernt
Liebe Leserinnen und Leser,
am 18. November um 11:16 Uhr unserer Zeit ist Voyager 1 nach Berechnungen der NASA einen ganzen Lichttag von der Erde entfernt. Das sind rund 26 Milliarden Kilometer, etwa 173-mal so weit wie bis zur Sonne. Ein Funkspruch, den das Team in Pasadena in diesem Moment losschickt, kommt erst am nächsten Vormittag an. Auf die Antwort wartet man dann noch einmal einen Tag.
Gestartet ist die Sonde im September 1977, gedacht war sie für fünf Jahre. Daraus sind 49 geworden. Von zehn Instrumenten arbeiten noch zwei, und jedes Jahr hat Voyager rund vier Watt weniger Strom zur Verfügung, etwa so viel, wie eine kleine LED-Lampe braucht. Das Team spart deshalb, wo es kann, und schaltet nach und nach Heizungen und andere Geräte ab. Gesendet wird trotzdem, aus einer Gegend, in der vor ihr noch nie etwas von uns gewesen ist.
Im letzten Heft haben wir uns mit geschwärzten Akten beschäftigt und mit der Frage, was eine Regierung über unidentifizierte Phänomene weiß. Diesmal geht es nach draußen. Wir fragen, wie weit wir mit Teleskopen in die Vergangenheit des Universums schauen können und wie weit wir selbst einmal reisen könnten. In der Rezension sind zwei Raumschiffe zu fernen Sternen unterwegs. Beim einen scheitert die Mission am Ziel, das andere kann nach einem Schaden nicht mehr bremsen.
Besonders gefreut hat mich, wie viele Autorinnen und Autoren auf unsere Interview-Anfrage geantwortet haben. Deshalb gibt es diesmal gleich zwei Gespräche in voller Länge. Reinhold Zitzlsperger war 37 Jahre bei der Berufsfeuerwehr München und schreibt heute Romane über die Klimakrise. Hinter Brandon Q. Morris steht der Physiker Matthias Matting, dessen Science-Fiction sich eng an den Stand der Forschung hält.
Und dann ist da noch Star Trek, im September 60 Jahre alt geworden. Vulkanier, Romulaner, das allmächtige Wesen Q, die Borg und Tuvix, das Mischwesen aus zwei Besatzungsmitgliedern: Wer mit der Serie groß geworden ist, hat sie alle ins Herz geschlossen, die Borg vielleicht ein bisschen weniger. Mit der Serie sind auch ihre Ideen älter geworden, und manche wirken heute näher als bei der Erstausstrahlung. Die Borg tauchten 1989 zum ersten Mal auf, in der Folge „Zeitsprung mit Q“, als Kollektiv aus Lebewesen und Maschinen, das jede Technik in sich aufnimmt, auf die es trifft. Ein Vorbild in der Wirklichkeit gab es damals nicht.
Heute gibt es Programme, sogenannte KI-Agenten, die selbstständig im Netz arbeiten. Sie reichen sich gegenseitig Aufgaben weiter und benutzen jedes Werkzeug, an das man sie anschließt, ein bisschen wie ein Handwerker, dem man nach und nach immer mehr Schlüssel in die Hand drückt. Fachleute streiten darüber, ob sich solche Systeme eines Tages der Kontrolle ihrer Entwickler entziehen könnten. Spätestens dann fällt meist der Name Skynet, das Computersystem aus den „Terminator“-Filmen, das sich gegen die Menschheit wendet.
Star Trek hat viele dieser Fragen früh durchgespielt. Die Serie traut uns einen Weg nach vorn zu und erzählt ihn mit Rückschlägen, die manchmal Generationen dauern. Für mich ist sie deshalb vielleicht die größte aller Großserien, und für viele von euch ist sie wohl mehr Science als Fiction. Wie aus heutigen KI-Agenten ein Kollektiv nach Art der Borg werden könnte und was dagegen spricht, lest ihr im Thema direkt nach dem Serien-Spotlight.
Kurz vor Redaktionsschluss mussten wir zwei Abschiede verkraften. Walter Koenig und Sir Patrick Stewart sind gestorben, unser Pavel Chekov und unser Jean-Luc Picard. Beide haben uns alle enorm geprägt, und auch BuchKnall gäbe es ohne sie in dieser Form wohl nicht. Ihnen sind zwei eigene Seiten in diesem Heft gewidmet, die erste folgt gleich nach diesem Editorial.
Auf dem Titel seht ihr den Pandora-Haufen, aufgenommen mit dem James-Webb-Weltraumteleskop. Dort verschmelzen drei Galaxienhaufen zu einem einzigen, und ihre gemeinsame Masse krümmt den Raum so stark, dass sie wie eine Lupe wirkt. Galaxien, die weit dahinter liegen, erscheinen dadurch größer. Fachleute nennen das eine Gravitationslinse. Rund 50.000 Lichtquellen stecken in dem Bild, und das Licht der fernsten war mehr als 13 Milliarden Jahre zu uns unterwegs.
Voyager 1 wird die Marke von einem Lichttag übrigens ganz unspektakulär passieren, an Bord ändert sich nichts. Die Messwerte, die sie an diesem Vormittag sendet, erreichen uns am 19. November.
Ich wünsche viel Freude beim Lesen.
Lebe lang und in Frieden 🖖
SV
Eine schwere Woche
Es war eine schwere, sehr schwere Woche für alle, die Star Trek lieben. Wenige Tage nach Walter Koenig ist auch Sir Patrick Stewart von uns gegangen.
Patrick Stewart ist am 28. Oktober 2026 in seinem Zuhause in Los Angeles gestorben, mit 86 Jahren. Seine Familie nannte als Ursache Alzheimer und Lewy-Körper-Demenz, seine Frau Sunny war bei ihm. Geboren wurde er am 13. Juli 1940 in Mirfield in Yorkshire. Er kam von der Royal Shakespeare Company und spielte Jean-Luc Picard von 1987 bis 1994 in The Next Generation, in vier Kinofilmen und von 2020 bis 2023 noch einmal in Star Trek: Picard.
Ein melancholischer Sommertag
Ich war etwa neun, als ich Jean-Luc Picard zum ersten Mal begegnet bin. Es war einer dieser melancholischen Sommertage, an denen alle etwas zu tun hatten und ich vor Langeweile Kreise im Wohnzimmer meiner Eltern lief. Langeweile war in den Neunzigern eine andere Sache als heute. Wir haben uns Spiele ausgedacht, für die sich heute niemand mehr interessieren würde, und wir haben die Welt mit anderen Augen gesehen, weil uns noch keine kleinen Dopaminspritzen aus dem Telefon von ihr ablenkten. Es gab nur wenige Dinge auf dem Bildschirm, die einen wirklich festhielten. Für mich war eines davon Star Trek.
Festgehalten hat mich der Mann auf der Brücke. Wie Patrick Stewart sprach und wie Picard selbst gegen die schlechtesten Aussichten noch Hoffnung fand, das hat sich bei mir eingebrannt, und bei vielen anderen auch. So wurden aus Science-Fiction-Fans Star-Trek-Anhänger, weil sie spürten, wie viel Gutes in dieser Geschichte steckt. Getragen haben das viele, er war das bekannteste Gesicht dieser Werte, und er hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass die Neunziger für uns so gut waren, wie sie waren.
Man erinnert sich an die Begegnungen mit den Borg und an die Scharmützel mit Q. Und an seinen ernsten, verantwortungsvollen Umgang mit der Obersten Direktive. Seine Autorität kam aus Ruhe und Besonnenheit, aus einer Haltung von Würde und Gelassenheit, die kaum Angriffsfläche bot. Viele seiner Gegner wirkten am Ende wie entwaffnet. Er nahm sich das Recht, besonnen zu bleiben und das Gute zu sehen, und oft reichte genau das, um selbst Feinde zu überzeugen.
Sogar die Borg-Königin, die Verkörperung eines Fortschritts um seiner selbst willen, sah in ihm etwas Faszinierendes. Als Locutus sollte er an ihrer Seite stehen, damit die Borg die Menschlichkeit begreifen und die Menschen besiegen konnten. Selbst der dunkelste Abgrund von Star Trek wusste also, dass dieser Mann und seine Werte nicht zu verrücken waren. Und Q, das gottgleiche Wesen, das ihn so gern auf die Probe stellte, hatte erkennbar eine Schwäche für ihn.
Jean-Luc Picard stand für eine verantwortungsvolle Vision der Menschheit, für die Menschen, die wir gern wären. Genau das macht Star Trek zu Star Trek, und vielleicht ist deshalb auch BuchKnall entstanden. Ohne ihn wäre es dazu nicht gekommen, da bin ich mir sicher. Bis zuletzt war er fast jede Woche irgendwo zu sehen, als Meme oder als eine der letzten großen Legenden des Fernsehens, und er hat unendlich viele gute Momente geschaffen. Wer ihn als Kind auf der Brücke der Enterprise kennengelernt hat, verliert mit ihm mehr als einen Schauspieler. Mit ihm geht auch ein Stück der eigenen Geschichte. Er hinterlässt ein Loch. Ohne ihn ist die Welt ein kleines bisschen weniger schön, vielleicht auch mehr als das.
Als ich dieses Heft geplant habe, ahnte ich nichts davon. Trotzdem trägt es seit Wochen den Titel „Die unendlichen Weiten“, die Worte, mit denen Picard jede Folge von The Next Generation eröffnet hat. Ein Zufall ist das nicht. Solche Zufälle gibt es nicht.
Danke, Sir Patrick Stewart. Danke, Jean-Luc Picard.
Steffen Vogt
Seine Zuversicht und seine Zurückhaltung haben Millionen Menschen Leitlinien gegeben, und mit dieser einen Rolle hat er zahllose Menschen in den Kosmos der Science-Fiction geholt. Zum Abschied haben wir zwanzig seiner Sätze als Captain gesammelt.
Zwanzig Sätze von Jean-Luc Picard1 / 20
Nach unten wischen oder scrollen. Alle zwanzig Sätze mit ihrer Geschichte stehen im Ratgeber: Jean-Luc Picard, die 20 wichtigsten Sätze.
Wieso hat er euch berührt? Erzählt es uns im Forum.
Ein Lichttag
Seit 49 Jahren fliegt Voyager 1 von der Erde fort. Im November erreicht sie eine Marke, die vor ihr keine Sonde erreicht hat. Ihr Strom geht langsam zur Neige, und das Team in Kalifornien muss jeden Eingriff Tage im Voraus planen.
Auf den Kalendern des Jet Propulsion Laboratory in Pasadena ist für den 18. November eine Uhrzeit vermerkt: 10:16 Uhr Weltzeit, in Deutschland 11:16 Uhr. Zu sehen ist an diesem Tag nichts. Die Sonde, um die es geht, sendet weiter ihre Messwerte, und die Bestätigung, dass sie die Marke überschritten hat, trifft auf der Erde erst einen Tag später ein.
- 1Parabolantenne, 3,7 Meter breit. Über sie laufen Befehle und Messdaten.
- 2Gerätekörper mit zehn Seiten. Darin sitzen Bordrechner, Sender und Treibstofftank.
- 3Drei Radionuklidbatterien am eigenen Ausleger, mit Abstand zu den Messgeräten.
- 4Instrumentenausleger mit schwenkbarer Plattform für Kameras und Spektrometer. Die Kameras sind seit 1990 aus.
- 5Magnetometer-Ausleger, 13 Meter lang. Misst Magnetfelder und arbeitet noch.
- 6Golden Record, außen am Gerätekörper befestigt.
- 7Zwei Antennen für Radio- und Plasmawellen, je 10 Meter. Das Plasmawellen-Instrument arbeitet noch.
Wie lange bräuchten wir bis dorthin?
Reisezeit für 25,9 Milliarden Kilometer bei gleichbleibendem Tempo, ohne Pause
Eine Stellung, die alle 175 Jahre kommt
Mitte der 1960er-Jahre bemerkte Gary Flandro, ein junger Mitarbeiter des Jet Propulsion Laboratory, dass Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun Ende der 1970er-Jahre in einem lockeren Bogen auf derselben Seite der Sonne stehen würden. Eine Sonde konnte in dieser Lage von einem Planeten zum nächsten gelangen.
Bei jedem Vorbeiflug würde die Schwerkraft des Planeten sie beschleunigen und auf den nächsten zulenken, ein Verfahren, das Fachleute Swing-by nennen. So eine Stellung wiederholt sich nur etwa alle 175 Jahre. Zuletzt hatten die Planeten so gestanden, als Thomas Jefferson Präsident der Vereinigten Staaten war.
Die NASA entwarf daraus die Grand Tour, mehrere Sonden sollten alle äußeren Planeten besuchen. Der Plan hätte rund eine Milliarde Dollar gekostet. Im Dezember 1971 strich die Behörde ihn, auf Druck des Kongresses und weil das neu bewilligte Space Shuttle das Geld band.
Übrig blieb eine kleinere Mission namens Mariner Jupiter-Saturn: zwei Sonden, gebaut auf Grundlage der bewährten Mariner-Technik, mit dem Auftrag, in fünf Jahren zwei Planeten zu erkunden. Die wissenschaftliche Leitung übernahm 1972 der Physiker Edward Stone vom California Institute of Technology. Er behielt sie fünfzig Jahre lang, bis 2022. Im März 1977 bekam das Projekt nach einem internen Wettbewerb seinen heutigen Namen.
Die Stimmung in der amerikanischen Raumfahrt war zu dieser Zeit gedämpft. Im Dezember 1972 waren zum letzten Mal Menschen auf dem Mond gelandet, danach schrumpfte das Budget der NASA. Voyager war die Sparfassung eines großen Plans, und die Ingenieure legten die Bahnen trotzdem so an, dass ein Weiterflug möglich blieb.
Am 20. August 1977 startete Voyager 2, am 5. September Voyager 1 auf einer schnelleren Bahn, die sie im Dezember an ihrer Schwester vorbeiziehen ließ. Dass eine der beiden fast fünfzig Jahre später noch senden würde, stand in keinem Missionsplan.
Am 18. November 2026 ist Voyager 1 so weit von der Erde entfernt, dass ihr Funksignal einen ganzen Tag bis zu uns braucht. Um 10:16 Uhr Weltzeit erreicht sie rund 25,9 Milliarden Kilometer, gut 170-mal den Abstand zwischen Erde und Sonne. Ein Befehl aus Kalifornien ist dann 24 Stunden unterwegs, die Antwort der Sonde noch einmal 24 Stunden.
Auf dem Weg dorthin flog Voyager 1 im März 1979 an Jupiter vorbei und im November 1980 an Saturn und seinem großen Mond Titan. Der nahe Vorbeiflug an Titan lenkte sie aus der Ebene der Planeten heraus, seitdem steigt sie schräg nach Norden aus dem Sonnensystem.
Am 14. Februar 1990 drehte sich die Sonde auf Anregung des Astronomen Carl Sagan ein letztes Mal um und fotografierte die Erde aus sechs Milliarden Kilometern Entfernung. Auf dem Bild nimmt sie weniger als einen Bildpunkt ein. Sagan nannte die Aufnahme Pale Blue Dot, danach wurden die Kameras abgeschaltet.

Im August 2012 verließ Voyager 1 die Heliosphäre. So heißt die Blase, die der Sonnenwind, ein stetiger Strom geladener Teilchen, um das Sonnensystem bläst. Seitdem misst die Sonde Magnetfelder und Teilchen im Raum zwischen den Sternen, an einem Ort, an dem vorher kein Messgerät war. Voyager 2 folgte im November 2018 auf einer anderen Bahn.
Strom für zwei Instrumente
Die Energie liefern Radionuklidbatterien. In ihnen zerfällt Plutonium, die Wärme wird in elektrischen Strom umgewandelt. Weil der Zerfall mit den Jahren nachlässt, sinkt die Leistung um etwa vier Watt pro Jahr, ungefähr den Verbrauch einer kleinen LED-Lampe. Das Team schaltet deshalb seit Jahrzehnten ab, was sich entbehren lässt, zuerst die Kameras, dann Heizungen, schließlich ganze Instrumente.
Am 17. April 2026 traf es auf Voyager 1 das Instrument für niederenergetische geladene Teilchen. Ein kleiner Motor von einem halben Watt blieb in Betrieb, damit sich das Gerät später vielleicht wieder einschalten lässt. Seitdem arbeiten an Bord noch zwei von zehn Instrumenten, das Magnetometer und ein Empfänger für Plasmawellen. Voyager 2 hat noch drei.
Im Mai und Juni erprobte die NASA an Voyager 2 einen Eingriff, den das Team intern Big Bang nennt. Mehrere Verbraucher an Bord werden gleichzeitig gegen sparsamere ausgetauscht. Der Eingriff gelang, die drei Instrumente sollen dadurch mindestens ein weiteres Jahr laufen. Für Voyager 1 hat die NASA denselben Schritt angekündigt. Ob er bis zum 18. November erfolgt, war bei Redaktionsschluss offen.
Eine Platte für Unbekannte
Beide Sonden tragen eine vergoldete Kupferplatte, die Golden Record. Darauf sind Grüße in 55 Sprachen, Naturgeräusche, Bilder von der Erde und Musik gespeichert, unter anderem von Johann Sebastian Bach und von Chuck Berry, der mit seinem bekanntesten Lied „Johnny B. Goode“ vertreten ist. Auf der Hülle steht in Diagrammen, wie man sie abspielt.
Zusammengestellt hat sie ein Komitee unter der Leitung von Carl Sagan, der wenige Jahre später mit „Contact“ einen Roman über den ersten Kontakt schrieb. In rund 40.000 Jahren nähert sich Voyager 1 dem Stern Gliese 445 auf 1,6 Lichtjahre. Für ein Zusammentreffen ist das zu weit, und ob die Platte je jemand abspielt, lässt sich nicht vorhersagen.
Die Science-Fiction hat sich die Rückkehr einer Voyager-Sonde schon ausgemalt. In „Star Trek: Der Film“ von 1979 kehrt eine fiktive Voyager 6 als riesiges Wesen zur Erde zurück und sucht ihren Schöpfer. Die echte Voyager 2 hängt inzwischen an einer einzigen Antenne in Australien, mehr dazu unter Der Ort.
Sagans Komitee wählte 1977 Walgesänge, das Geräusch eines Kusses und Beethoven aus. Was gehört auf eine zweite Platte, die heute gestartet würde? Diskutiert mit im Forum.
Starship erreicht zum ersten Mal den Orbit
Auf seinem 14. Testflug hat das größte Raketensystem, das je gebaut wurde, eine Erdumlaufbahn erreicht und Satelliten ausgesetzt. Nach drei statt zehn Stunden kam das Schiff zurück, wasserte im Pazifik und explodierte danach.
Am Morgen des 28. September 2026 startete in Starbase im Süden von Texas eine Rakete von rund 120 Metern Höhe, etwas weniger als der Kölner Dom. Starship besteht aus zwei Stufen: dem Booster, der das Gesamtsystem in die Höhe bringt, und dem eigentlichen Schiff, das bis in den Weltraum fliegt. Beide Teile sollen wiederverwendbar sein.
Kurz nach der Trennung fiel an der Oberstufe ein Triebwerk aus. Das Schiff mit der Seriennummer 41 flog dennoch weiter und erreichte als erstes Starship eine Umlaufbahn um die Erde, also eine Bahn, auf der es ohne weiteren Antrieb um den Planeten kreist. Dort setzte es 26 Satelliten für das Kommunikationsnetz Starlink aus.
Geplant waren etwa zehn Stunden im All. Nach rund drei Stunden holte SpaceX das Schiff vorzeitig zurück. Es überstand den Wiedereintritt in die Atmosphäre, wasserte im Nordpazifik, kippte um und explodierte. Der Booster war schon kurz nach dem Start kontrolliert vor der Küste von Texas niedergegangen.
Was für den Mond noch fehlt
Für Flüge zum Mond oder zum Mars muss Starship zwei Dinge beherrschen, die auf Flug 14 nicht auf dem Programm standen. Es muss im Orbit Treibstoff von einem Schiff in ein anderes pumpen, denn nur vollgetankt reicht die Energie, um die Erdumlaufbahn wieder zu verlassen.
Außerdem soll das Schiff bei der Rückkehr am Startturm aufgefangen werden. Die NASA plant ihre nächste Mondlandefähre auf Basis von Starship. Bei Artemis III soll 2027 zunächst das Andocken in der Erdumlaufbahn geübt werden, die Landung ist für Artemis IV im Jahr 2028 vorgesehen.
Ein altes Bild der Science-Fiction
Raketen, die aufrecht auf ihren Flossen landen und wieder starten, gehören zu den frühesten Bildern des Genres. Im Film „Endstation Mond“ von 1950, an dessen Drehbuch Robert A. Heinlein mitarbeitete, setzt die Rakete Luna senkrecht auf dem Mond auf und fliegt anschließend zur Erde zurück.
Über Jahrzehnte galt das als Vorstellung aus der Zeit der Groschenhefte, weil reale Raketen nach einem einzigen Flug verloren waren. Mit wiederverwendbaren Stufen rückt das Bild nun wieder näher an die Technik heran.
Interview 1 · Ausgabe 05 · mit Reinhold Zitzlsperger
„Wer gewinnt? Die Guten, natürlich.“
Reinhold Zitzlsperger
Feuerwehrmann, Psychologe und Autor
Reinhold ZitzlspergerReinhold Zitzlsperger war 37 Jahre bei der Berufsfeuerwehr München, als Feuerwehrmann, Rettungsassistent und Höhenretter. Mit 50 holte er das Abitur nach und studierte Psychologie. Sein Roman Wie die Göttinnen auf die Erde kamen spielt in einer Welt, in der der Klimawandel einen Bürgerkrieg ausgelöst hat, und stellt einen Weltraumaufzug ausgerechnet nach Ottobrunn bei München.
Ein solcher Aufzug ist ein Seil von der Erde bis in eine Umlaufbahn, an dem Lasten ohne Rakete nach oben fahren. Nach dem Starship-Flug im Knall des Monats ist das die zweite Antwort dieses Hefts auf die Frage, wie man von der Erde wegkommt.
Romane zwischen Klimakrise und Zuversicht sammelt unsere Themenwelt KlimaKnall, die hellere Seite davon unter Solarpunk.
Stell dich unseren Leserinnen und Lesern doch kurz vor: Wer bist du, wo lebst du, und wie bist du nach 37 Jahren bei der Berufsfeuerwehr München zum Schreiben gekommen? Gibt es aus diesem Beruf etwas, das in deinem Schreiben steckt?
Ich bin 1961 geboren und mein Leben verlief nicht linear. Ich war als junger, unreifer Mensch zwei Jahre am Gymnasium und verließ es unrühmlich mit sehr schlechten Noten. Es folgten eine Ausbildung als Elektrogerätemechaniker (ein heute ausgestorbener Beruf), Zivildienst und schließlich bin ich bei der Berufsfeuerwehr in München gelandet, ohne irgendeine Vorstellung, was das bedeutet. Eine glückliche Fügung!
Mit großer Leidenschaft habe ich als Feuerwehrmann, Rettungsassistent und Höhenretter gearbeitet und ein Stressbearbeitungsteam aufgebaut. Ich bin eigentlich immer neugierig auf neue Sachen, habe mit 50 das allgemeine Abitur nachgeholt und anschließend Psychologie studiert. Als Berufsfeuerwehrmann bin ich öfters in Extremsituationen gelandet, auch in lebensbedrohlichen. In menschliche und psychische Grenzsituationen.
Das steckt auch in meinem Schreiben. Einsatzkräfte werden in Filmen fürchterlich klischeehaft dargestellt. Dem will ich etwas entgegensetzen. Ich habe auch Verletzungen erlebt, psychische und physische, bei mir und bei Betroffenen. Wenn einem so etwas passiert, muss man damit fertig werden. Das ist ein Aspekt, der in konventioneller Abenteuerliteratur einfach ausgelassen wird. Auch solche Themen spielen in meinem Roman eine Rolle.
Science-Fiction liest du seit der Schulzeit. Welches Buch hat dich damals erwischt, und hält es beim Wiederlesen heute noch?
Angefangen hat es bei mir mit Jules Verne. Dann kam Hans Dominik, den werden viele heute nicht mehr kennen. Was mich sehr gepackt hat, ist die Mark-Brandis-Reihe. Der Autor hat zwar von Raumfahrt keine Ahnung, da gibt es einige Stellen, über die man hinweglesen muss.
Aber er beschreibt sehr genau die psychische Entwicklung der Helden, Gewissensfragen, Angst, Unsicherheit, Entschlossenheit. Das hat mich gepackt. Die ersten vier Romane, der sogenannte Weltraumpartisanen-Zyklus, habe ich mehrfach gelesen.
In „Wie die Göttinnen auf die Erde kamen“ steht der Space Elevator in Ottobrunn. Warum ausgerechnet dort?
In Ottobrunn befindet sich der Luft- und Raumfahrtcampus der TU München. Ich dachte mir, da wird sich noch was entwickeln. Rund um Ottobrunn entsteht der größte Luft- und Raumfahrtcampus Europas. Ich muss zugeben, dass ein Standort für einen Space-Elevator am Äquator technisch sinnvoller wäre, aber ich dachte mir, warum nicht mal eine Handlung in Bayern ansiedeln?
Deine Roboter erwachen zum Bewusstsein und fragen sich, welche Rolle sie künftig haben. Wie bist du an diese Figuren herangegangen? Hat dein Psychologiestudium dabei eine Rolle gespielt?
Meine erste Begegnung mit einem Computer, der zum Bewusstsein erwacht, war „Revolte auf Luna“ von Robert Heinlein. Dann bin ich irgendwann auf das Gespräch zwischen dem Computerpionier John von Neumann und dem Mathematiker Stanislaw Ulam aus den 1950ern gestoßen, die einen sogenannten Omega-Punkt vorhersagten: Also einen Punkt, in dem sich ein Computersystem schneller selbst optimieren wird, als menschliche Informatiker das nachvollziehen können.
Den letzten Anstoß dafür, KI in die Geschichte einzubauen, war ein Interview mit einem Vater der künstlichen Intelligenz, Jürgen Schmidhuber, der an der TU München die Grundlagen für Sprachmodelle wie Chat gelegt hat. Der sah das ganz ähnlich.
In der Anlage meiner KIs habe ich erstmal erforscht, was klassische Science-Fiction-Autoren zu dem Thema zu sagen hatten. Und mein Psychologiestudium hat auch eine Rolle gespielt. In den 1970ern gab es in der akademischen Psychologie die sogenannte „kognitive Wende“. Seitdem weiß man, dass viele psychologische Phänomene auf komplexen Datenverarbeitungsprozessen beruhen.
Der menschliche Reflex, einem künstlichen Computer Bewusstsein und Emotionen kategorisch abzusprechen, entspringt meiner Ansicht nach der typisch menschlichen Hybris, sich für etwas ganz Besonderes zu halten. Wir waren schon Zentrum des Universums und Krone der Schöpfung. Das hat sich alles inzwischen erledigt.
Du ordnest das Buch zwischen Cli-Fi, Dystopie und Solarpunk ein. Ist es am Ende eher eine Warnung oder eher ein Entwurf, wie es gut ausgehen könnte?
Am Ende kommt die Utopie. In meiner Geschichte hat der Klimawandel schon stattgefunden und einen globalen Bürgerkrieg ausgelöst, der die Menschheit auf eine archaische Stufe zurückgeworfen hat.
Wenn ich mir die grassierende politische Ignoranz zum Thema Klimawandel so anschaue, fällt es mir schwer zu hoffen, dass das alles noch mal gut gehen wird. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Menschen immer eine Chance haben werden. Wenn sie sie ergreifen.
Du hast im Forum geschrieben, das Schönste am Schreiben sei, dass du bestimmst, wer gewinnt. Wer gewinnt in deinem Buch, und war das von Anfang an klar?
Tja, das ist eine gute Frage. Nein, es war nicht von Anfang an klar. Meine Figuren sind mir unter der Tastatur lebendig geworden und haben sich teilweise anders entwickelt, als ich es geplant habe. Widerspenstiges Volk! Irgendwann hat sich dann Stück für Stück die Utopie entwickelt. Wer gewinnt? Die Guten, natürlich. Das reale globale Leben ist dystopisch genug.
Klimafiktion boomt gerade. Was kann ein Roman zum Klimawandel leisten, was ein Sachbuch oder ein Bericht nicht schafft?
Die Fakten liegen auf dem Tisch. Wer es immer noch nicht kapiert hat, will es nicht kapieren. Dagegen kommt man mit einem Sachbuch nicht an. Am anderen Ende haben so manche vielleicht schon die Hoffnung aufgegeben, dass sich die reale Klimazukunft noch einmal zum Guten wenden wird.
Viele Jugendliche sind psychisch krank. Sie werden in der Welt leben müssen, die wir ihnen hinterlassen. Ich hoffe, mit meiner Geschichte Menschen Hoffnung zu geben, Diskussionen anzuregen, Möglichkeiten aufzuzeigen. Sie zu aktivieren?
Du kennst die Szene über die Phantastische Bibliothek Wetzlar, Carcosa und das SF-Jahrbuch. Wie steht es aus deiner Sicht um die deutschsprachige Science-Fiction?
Science Fiction war in meiner Jugendzeit eine ziemlich übel beleumundete Nische. Ich kann mich noch an einen Artikel in der Münchner Abendzeitung erinnern, mit dem Titel „Science Fiction, Porno fürs Gehirn?“. Inzwischen ist SF im Mainstream angekommen.
Es gibt ganze Kanäle mit entsprechenden Filmen. Jeder kennt Raumschiff Enterprise und die Serie hat sich auch schon enorm vervielfältigt. Wie es um die deutschsprachige Science-Fiction steht? Keine Ahnung. Das kann ich nicht seriös beurteilen.
Woran schreibst du gerade, und bleibst du in dieser Welt oder fängst du etwas Neues an?
Ich schreibe tatsächlich schon an dem zweiten Band. Das Schwierigste ist es, eine konsistente Welt zu erfinden. Wenn sie einmal im Hirn ist, entwickelt sie sich von selbst weiter.
Was wünschst du dir von einer Seite wie BuchKnall, als Leser und als Autor?
Gedankenaustausch! Das wäre großartig.
Zum Weiterlesen
Wer nach dem Gespräch weiterlesen will: Der Roman steht im Lexikon, das Interview in seiner ursprünglichen Form auf der Interviewseite.
Leitthese
Die Weite des Alls lässt sich nur in Zeit ausdrücken. Jede Entfernung da draußen ist auch eine Wartezeit.
Ein Funkspruch zu Voyager 1 ist ab dem 18. November einen Tag unterwegs, das Licht des nächsten Sterns gut vier Jahre. Wer im All reist oder ruft, plant deshalb in Jahren und Generationen. Davon handeln die meisten Geschichten in diesem Heft.
Begriff der Ausgabe
Das Lichtjahr
Ein Lichtjahr ist eine Strecke: die Entfernung, die Licht im Vakuum in einem Jahr zurücklegt. Die Internationale Astronomische Union legt dafür ein Jahr von genau 365,25 Tagen zugrunde. Das ergibt 9.460.730.472.580,8 Kilometer, gerundet 9,46 Billionen. Kleinere Einheiten folgen demselben Muster. Bis zur Sonne braucht Licht gut acht Minuten, bis zum Neptun rund vier Stunden, bis zu Voyager 1 bald einen ganzen Tag. Proxima Centauri, der nächste Stern nach der Sonne, ist 4,24 Lichtjahre entfernt.
Den Begriff verwendete zuerst 1851 der Naturforscher und Publizist Otto Ule in einem populären Artikel. In der Fachliteratur rechnen Astronominnen und Astronomen meist in Parsec. Ein Parsec entspricht rund 3,26 Lichtjahren.
Die Größenordnung
46 Milliarden Lichtjahre
Das Universum ist rund 13,8 Milliarden Jahre alt. Trotzdem liegt der Rand des Bereichs, den wir beobachten können, heute rund 46 Milliarden Lichtjahre entfernt. Der Grund ist die Ausdehnung des Raums. Das Licht einer frühen Galaxie war mehr als 13 Milliarden Jahre zu uns unterwegs, und während dieser Zeit hat sich der Raum zwischen ihr und uns weiter gedehnt. Die Lichtgeschwindigkeit begrenzt Bewegungen durch den Raum, für das Wachstum des Raums selbst gilt diese Grenze nicht. Die Galaxie steht heute deshalb viel weiter entfernt, als die Laufzeit ihres Lichts vermuten lässt.
// Lichtlaufzeit im GlossarWarum wir nie ankommen
Manche Leute sind neugierig, andere haben gute Gründe, die Erde zu verlassen. Für viele ist es der nächste Evolutionsschritt der Menschheit: die Sterne zu erkunden und zu schauen, warum wir so viel Platz haben, was es zu gewinnen gibt, mit wem wir reden können und welche Gefahren dort lauern. Und irgendwann wird es vielleicht auch einfach langweilig auf der Welt.
Manche Versuche, in den Deep Space vorzudringen, wurden natürlich schon mit Radioteleskopen und allen anderen verfügbaren Technologien versucht. Menschengemachte Maschinen oder sogar Menschen selbst haben aber noch nicht viele Strecken zurückgelegt, gemessen an der schier unendlichen Reichweite und Anzahl von Sternen darin. Allein in der Milchstraße sind es rund 300 Milliarden.
Allein zum nächsten Stern bräuchte Voyager 1 rund 75.000 Jahre. Sie fliegt in eine andere Richtung und wird in etwa 40.000 Jahren am Stern Gliese 445 vorbeiziehen, in 1,6 Lichtjahren Abstand. Die Zahl zeigt, was unendliche Weiten für die Raumfahrt bedeuten. Die schnellste Sonde, die je das Sonnensystem verlassen hat, kommt auf dieser Skala kaum vom Fleck.
Ein Segel aus Licht

Yuri Milner, Investor, finanzierte Starshot mit 100 Millionen Dollar

Stephen Hawking, Physiker, stellte das Projekt 2016 mit Milner vor

Das Segel, Prototyp eines Lichtsegel-Materials aus der TU Delft, 200 Nanometer dünn
Im April 2016 stellten der Investor Yuri Milner und der Physiker Stephen Hawking in New York das Projekt Breakthrough Starshot vor. Statt einer großen Sonde sollten viele Chips von wenigen Gramm fliegen, jeder an einem Lichtsegel von höchstens vier mal vier Metern. Ein Feld aus Lasern von rund einem Quadratkilometer sollte die Segel von der Erde aus anschieben, mit einer Gesamtleistung von bis zu 100 Gigawatt. Das entspricht etwa hundert großen Kraftwerksblöcken.
Bei 15 bis 20 Prozent der Lichtgeschwindigkeit hätten die Chips Alpha Centauri nach 20 bis 30 Jahren erreicht. Milner sagte 100 Millionen Dollar für die Entwicklung zu und schätzte die Gesamtkosten auf fünf bis zehn Milliarden.
Im Herbst 2025 berichtete das Magazin Scientific American, dass das Projekt stillsteht. Der Leiter Pete Worden schrieb auf Anfrage, man habe das Programm auf Eis gelegt und arbeite daran, Teile an andere zu übergeben. Nach Schätzung des Physikers Philip Lubin, der an dem Projekt beteiligt war, waren bis dahin rund 4,5 Millionen Dollar ausgegeben.
80.000 Jahre mit Absicht
Anfang September 2026 kündigte eine gemeinnützige Initiative aus der Gegend von Seattle den Fermi Explorer an. Der Name spielt auf das Fermi-Paradoxon an, die Frage, warum wir keine Spur von anderen Zivilisationen finden. Die Sonde soll 150 Kilogramm wiegen, davon etwa zwei Drittel Xenon für ein elektrisches Triebwerk, und mit heutiger Technik gebaut werden.
Nach mehr als einem Jahrzehnt mit Antrieb und Vorbeiflügen an Planeten soll sie das Sonnensystem mit rund 24 Kilometern pro Sekunde verlassen, etwas schneller als Voyager 1. Bis Alpha Centauri bräuchte sie rund 80.000 Jahre, abbremsen kann sie dort nicht.
An Bord sollen eine Kopie der Golden Record und Grüße von Kindern mitfliegen. Der Mitgründer Philip Johnston nennt sie die erste Sonde, die nach Alpha Centauri aufbricht, und die letzte, die dort ankommt. Starten soll sie frühestens Ende 2029, das Budget liegt unter 15 Millionen Dollar.
Die schnellste Sonde, die je das Sonnensystem verlassen hat, kommt auf dieser Skala kaum vom Fleck.Warum wir nie ankommen
Was die Science-Fiction daraus macht
Dass Menschen auf solchen Reisen nicht ankommen, ist in der Science-Fiction seit Jahrzehnten der Ausgangspunkt eigener Geschichten. Robert A. Heinlein erzählte 1941 in „Universe“ von der Besatzung eines Generationenschiffs, die vergessen hat, dass sie auf einem Schiff lebt.
Bei Kim Stanley Robinson erreicht in Aurora ein Generationenschiff nach rund 160 Jahren sein Ziel, und die Siedlung scheitert. Poul Anderson lässt in Tau Zero ein Schiff fliegen, das nicht mehr bremsen kann. Beide Romane bespricht die Rezension in diesem Heft.
Diese Bücher verlegen den Schwerpunkt vom Ziel auf die Reise. Ihre Figuren leben in einem Zwischenraum, den sie nicht gewählt haben, und müssen sich fragen, wofür man ein Leben führt, dessen Ergebnis man nicht erfährt.
Der Fermi Explorer überträgt diese Haltung auf ein reales Vorhaben. Seine Planer rechnen nicht damit, dass jemand die Ankunft erlebt, und bauen trotzdem. Wie ein Physiker solche Reisen erzählt, beschreibt Brandon Q. Morris im Interview gleich nach diesem Essay.
An den Grenzen der Physik hat sich seit 1977 wenig verschoben. Gewachsen ist die Bereitschaft, eine Reise zu planen, deren Ende niemand von uns sehen wird.
Interview 2 · Ausgabe 05 · mit Brandon Q. Morris
„Das Wichtigste ist aber immer ein gutes Buch.“
Brandon Q. Morris
Matthias Matting · Physiker, Mitgründer des Selfpublisher-Verbands und einer der produktivsten Autoren deutscher Hard Science-Fiction
Matthias Matting auf der Frankfurter Buchmesse 2017. Foto: Traumrune, CC BY-SA 3.0, zugeschnittenDer Essay hat gezeigt, wie weit Alpha Centauri entfernt ist. Brandon Q. Morris schickt seine Figuren trotzdem dorthin, zuletzt in der Reihe Proxima Logbuch.
Hinter dem Namen steht der Physiker Matthias Matting. Er hat an der Technischen Universität Dresden studiert und danach viele Jahre als Technikjournalist gearbeitet, unter anderem für Computer Bild, die Wirtschaftswoche und den Focus. Seit 2017 veröffentlicht er Hard Science-Fiction, also Romane, deren Technik sich an den Stand der Forschung hält. Nach eigener Zählung sind es inzwischen mehr als 70 Bücher, die auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch und Portugiesisch erscheinen. Für „Helium-3“, das er gemeinsam mit Cliff Allister geschrieben hat, erhielt er 2019 den Skoutz-Award für Science-Fiction.
Auch für andere Schreibende hat er viel bewegt. Er gehörte zu den Gründern des Selfpublisher-Verbands und war von 2015 bis 2017 dessen Vorsitzender. Kaum jemand im deutschsprachigen Raum verbindet Physik und Erzählen so beharrlich wie er, und weil er im Gespräch so offen über Wissenschaft, den Selbstverlag und das Schreiben mit KI Auskunft gibt, drucken wir es hier in voller Länge ab.
Stellen Sie sich unseren Leserinnen und Lesern doch kurz vor: Wer steckt hinter Brandon Q. Morris, und warum haben Sie sich für ein Pseudonym entschieden?
Brandon heiße ich nun schon so lange, dass ich das gar nicht mehr so richtig als Pseudonym ansehe. Im Nachwort, in E-Mails oder Newslettern kommuniziere ich immer als Brandon. Wie kam es dazu? Ich habe eigentlich schon immer daran gedacht, Leser in vielen Sprachen anzusprechen.
Nun akzeptieren deutsche Buchkäufer in der SF bereitwillig englisch klingende Namen. Andersherum funktioniert es aber nicht, Amerikaner sind da nicht so offen. Das Pseudonym ist aber offen, auf Social Media findet man beide Namen.
Sie haben in Dresden Physik studiert und danach viele Jahre als Technikjournalist gearbeitet, unter anderem bei Computer Bild, Wirtschaftswoche und Focus. Wie kam 2017 der Schritt zur Science-Fiction?
Die legendäre „64er“ nicht zu vergessen! SF habe ich schon immer verschlungen und auch ab und an mal etwas geschrieben. Mit 12 habe ich sogar mal Geld für eine Kurzgeschichte bekommen, die in einem DDR-Magazin veröffentlicht wurde. Aber dass das wirklich ein Beruf sein kann, da war ich immer skeptisch. Man muss ja nur mal auf eine Buchmesse gehen.
Bei den Tausenden Neuerscheinungen soll sich dann ausgerechnet dein Buch verkaufen? Doch dann kam Amazon mit dem Kindle Direct Publishing, und das hat alles verändert. Ich brauchte gar keinen Verlag mehr, und dann habe ich natürlich überlegt, was mir als Physiker besonders liegt. Und das hat funktioniert. Sicher war ich mir da überhaupt nicht.
Ihre Bücher sind Hard SF. Wie viel Recherche steckt in einem Roman, und wo ziehen Sie die Grenze zwischen dem, was physikalisch stimmt, und dem, was die Geschichte braucht?
Es steckt immer die Differenz an meinem Vorwissen und dem, was ich für das Buch brauche, darin. Manches weiß ich einfach (und jetzt, nach über 70 Büchern, ist das schon einiges), was fehlt, muss ich herausfinden.
Mein neuestes Buch, Das Archimedische Raumschiff, spielt in der Römischen Republik. Da fehlte mir sehr viel Wissen, also brauchte ich mehr Recherche. Das Schöne ist, dass ich nun allerhand über die alten Römer weiß. Es macht also immer Spaß.
Gibt es eine wissenschaftliche Entdeckung der letzten Jahre, die Sie direkt zu einem Buch inspiriert hat?
Oh, es sind eigentlich dauernd neue Entdeckungen oder Phänomene, die den Anstoß geben. Am wichtigsten waren sicher die Entdeckungen der Cassini-Sonde bei Enceladus und Titan, die zwei wirklich faszinierende Welten sind.
Sie veröffentlichen erstaunlich regelmäßig. Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Ich arbeite quasi nine to five, nur etwas verschoben: Ich stehe nicht vor zehn Uhr auf, esse um vierzehn Uhr etwas, dann folgt wieder etwas Arbeit bis sechs oder sieben, und in heißen Phasen vielleicht auch noch mal ab dreiundzwanzig Uhr ein, zwei Stündchen. Am Wochenende ist frei. Außerdem mache ich recht viel Urlaub, ganz ohne Arbeit.
Sie setzen auf Selfpublishing. Was hat Sie dazu gebracht, und was würden Sie jemandem raten, der gerade sein erstes SF-Buch selbst veröffentlichen will?
Amazon hat mich dazu gebracht, ganz klar. Man braucht da wirklich nicht viel, um eine große Leserschaft zu erreichen. Es funktioniert nicht immer alles so, wie ich das gern hätte, aber nirgends erreiche ich meine Leserinnen und Leser so direkt.
Das Wichtigste ist aber immer ein gutes Buch. Man kann Unsummen für Marketing ausgeben, aber wenn das Buch nicht gut ist, hilft das alles nichts. Also nicht an der Qualität sparen, und das, was man nicht selbst sehr gut kann, an Dritte geben.
Ihre Bücher erscheinen auf Deutsch und auf Englisch. Merken Sie Unterschiede zwischen den beiden Leserschaften?
Und Spanisch, Italienisch, Französisch und Portugiesisch. Tatsächlich weiß ich vorher nie, welches Buch sich in welchem Land besonders gut verkaufen wird. Es gibt also Unterschiede, aber ich kann sie nicht systematisch identifizieren. Nett sind sie alle.
Sie haben jahrelang über Technik geschrieben. Wie stehen Sie zu künstlicher Intelligenz, als Thema in Ihren Geschichten und als Werkzeug beim Schreiben?
Wir wissen heute noch nicht, was Intelligenz ist. Wenn wir über Künstliche Intelligenz sprechen, meinen wir entweder etwas, das es in Zukunft geben könnte, in bisher unbekannter Form, oder wir sprechen von LLMs („ChatGPT“) bzw. neuronalen Netzen (Google Deepmind). Ob daraus mal „KI“ wird, das kann man so oder anders sehen. Ich bin vorsichtig gespannt. LLMs können als sog. Generative KI hilfreich sein.
Ich nutze sie zur Recherche; als langjähriger Journalist weiß ich natürlich, wie wichtig es ist, seine Quellen zu prüfen. Meine Bücher schreibe ich selbst und auch die Cover und Übersetzungen lasse ich von Menschen gestalten. Computer sollen uns doch bitte von stupiden Aufgaben befreien; eine KI, die meine Steuer macht, wäre toll. Das Schreiben und Kreativität im allgemeinen gehören für mich nicht dazu.
Mit welchem Ihrer Bücher sollte jemand einsteigen, der Sie noch nicht kennt? Und welches liegt Ihnen selbst besonders am Herzen?
Das ist auf jeden Fall „Enceladus“. Fast all meine Bücher spielen im selben Universum, und dieses Buch legt die Grundlage dafür. „Fünfeinviertel“ liegt mir fast so sehr am Herzen, das zu schreiben war eine schöne Reise zurück in die Homecomputer-Ära.
Die Physik des Universums wird morgen mit einer zusätzlichen Grundkraft erweitert. Was ist sie und wieso wird das ein Problem?
Wenn es überhaupt eine fünfte Kraft gibt (was ich für fraglich halte), dann beschreibt sie die Wechselwirkung der Dunklen Materie mit sich selbst. Dunkle Materie brauchen wir in unserem Modell von der Welt, um zahlreiche Phänomene zu erklären, u.a. die Art und Weise, wie Galaxien rotieren. Wir wissen aber nicht, worum es sich dabei handelt. Derzeit gehen wir davon aus, dass sie nur über Gravitation mit normaler Materie interagiert.
Vielleicht auch über die schwache Kernkraft. Aber grundsätzlich könnte sie ihre eigene Wechselwirkung bzw. Kraft haben, mit Übertragungsteilchen, die diese vermitteln, die „Dunkle Photonen“ genannt werden. Ein Problem wäre das nur für die angestrebte Verbindung von Relativität und Quantenphysik; in der Quantenphysik ist nämlich definitiv kein Platz für eine zusätzliche Kraft. Und die Quantenphysik ist eine der am besten getesteten Theorien, die wir haben.
Und natürlich wollen die Leserinnen und Leser wissen: Woran arbeiten Sie gerade, und was wünschen Sie sich von einer Seite wie BuchKnall?
Gerade schreibe ich „Das Echo-Protokoll“ – ein Roman, der weit in der Zukunft in einer Stadt namens Aeterna beginnt, die sich in einer tausendjährigen Zeitschleife befindet. Bin ansonsten ziemlich wunschlos glücklich (also von dem Wunsch nach Weltfrieden und Gerechtigkeit und einer gewissen Angst um unsere Demokratie abgesehen), aber wenn BuchKnall noch mehr Menschen SF näherbrächte, wäre das gut.
Zum Weiterlesen
Brandon Q. Morris hat mehr als 70 Bücher veröffentlicht. Die Titel aus diesem Gespräch stehen im Lexikon, alle weiteren auf seiner Autorenseite.
Enceladus, sein Einstiegstipp
Das archimedische Raumschiff: Ankunft
Das archimedische Raumschiff: Zerstörung
Proxima Logbuch 1An seinem nächsten Roman „Das Echo-Protokoll“ schreibt er gerade. Sobald er erschienen ist, nehmen wir ihn ins Lexikon auf.
Die Messier-Story · M104
Im Mai 1781 entdeckte Pierre Méchain einen schwachen Nebel im Sternbild Jungfrau. Sein Kollege Charles Messier trug ihn von Hand in sein eigenes Exemplar des Katalogs ein. Gedruckt wurde der Eintrag erst 140 Jahre später.
↑ Messier 104, die Sombrero-Galaxie · Sternbild Jungfrau · rund 30 Millionen Lichtjahre · 1921 von Camille Flammarion offiziell in die Liste aufgenommen · NASA/ESA und The Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Der Nebel aus der Randnotiz
Die Sombrero-Galaxie gehört zu den bekanntesten Bildern der Astronomie. In Messiers Katalog kam sie erst 1921, durch einen Fund in einem alten Buch.
Im Mai 1781 fand der französische Astronom Pierre Méchain im Sternbild Jungfrau einen schwachen, länglichen Nebel. Er gab den Fund an seinen Kollegen Charles Messier weiter, der gerade die letzte Fassung seines Katalogs vorbereitete. Die gedruckte Liste endet mit Nummer 103. Den neuen Nebel trug Messier nur von Hand in sein eigenes Exemplar ein, mit der Beschreibung „sehr schwacher Nebel“.
Drei Jahre später stieß William Herschel in England unabhängig auf dasselbe Objekt und nahm es in sein eigenes Verzeichnis auf. Später erhielt es die Nummer 4594 im New General Catalogue, dem großen Verzeichnis von Sternhaufen und Nebeln aus dem späten 19. Jahrhundert.
Messiers Notiz blieb unbeachtet, bis der französische Astronom Camille Flammarion 1921 Messiers persönliches Exemplar durchsah, den Eintrag fand und ihn als NGC 4594 erkannte. Seitdem heißt die Galaxie auch Messier 104.
In der Zwischenzeit war das Objekt schon wichtig geworden. 1912 maß Vesto Slipher am Lowell-Observatorium in Arizona, wie schnell sich der Nebel von uns entfernt, und kam auf rund 1.000 Kilometer pro Sekunde. Das war weit mehr, als man für ein Objekt innerhalb der Milchstraße erwartete, und gehörte zu den ersten Hinweisen darauf, dass solche Nebel eigene Galaxien weit draußen sind.
Heute ist bekannt, dass die Sombrero-Galaxie rund 30 Millionen Lichtjahre entfernt ist. Wir sehen sie fast genau von der Kante, deshalb liegt ein dunkles Staubband quer vor dem hellen, aufgewölbten Kern, und das Ganze erinnert an einen breitkrempigen Hut. Im Zentrum sitzt ein Schwarzes Loch mit mindestens rund einer Milliarde Sonnenmassen.
Das James-Webb-Teleskop hat die Galaxie im November 2024 im mittleren Infrarot gezeigt. Auf diesem Bild wirkt der Staubring klumpig, und der Kern leuchtet kaum. In dem Ring entsteht weniger als eine Sonnenmasse an neuen Sternen pro Jahr, in der Milchstraße sind es etwa zwei.
Die Notiz in Messiers Exemplar zeigt, wie lange Wissen in einer Randbemerkung liegen kann, bevor es jemand findet. Bei M104 waren es 140 Jahre.
Die einzige Antenne, die Voyager 2 noch Befehle geben kann
In einem Tal südwestlich von Canberra steht eine Schüssel von 70 Metern Durchmesser. Seit dem Vorbeiflug am Neptun ist sie die einzige Verbindung, über die Voyager 2 Anweisungen von der Erde empfängt.
Die NASA verständigt sich mit ihren fernen Raumsonden über das Deep Space Network, drei große Antennenanlagen in Kalifornien, bei Madrid und bei Canberra. Sie liegen auf dem Globus jeweils etwa 120 Grad auseinander, sodass sich die Erde unter einer Sonde wegdrehen kann, ohne dass die Verbindung abreißt.
Für Voyager 2 funktioniert dieses System nur noch zur Hälfte. Empfangen können ihre Signale mehrere Antennen, Befehle schicken kann ihr nur noch die Deep Space Station 43, kurz DSS-43, im Canberra Deep Space Communication Complex.
Der Grund liegt im August 1989. Damals flog Voyager 2 dicht am Neptun und an seinem Mond Triton vorbei, und die Schwerkraft der beiden lenkte die Sonde aus der Ebene, in der die Planeten die Sonne umkreisen, weit nach Süden ab. Von der Nordhalbkugel aus steht sie seitdem dauerhaft unter dem Horizont. Die großen Schüsseln in Kalifornien und Spanien sehen sie nicht mehr.
DSS-43 wurde in den frühen Siebzigerjahren gebaut und 1987 von 64 auf 70 Meter Durchmesser vergrößert, damit sie die schwachen Signale von Voyager 2 beim Neptun auffangen konnte. Sie ist die größte schwenkbare Antenne der Südhalbkugel.
Elf Monate ohne Befehle
Im März 2020 ging DSS-43 für eine Generalüberholung vom Netz. Während der Arbeiten konnte niemand Voyager 2 eine Anweisung schicken. Das Team hörte weiter zu, indem es mehrere kleinere Antennen zusammenschaltete, die das schwache Signal gemeinsam auffingen.
Ende Oktober 2020 schickten die Techniker probeweise einen ersten Befehl über die noch nicht ganz fertige Anlage. Voyager 2 bestätigte den Empfang und führte ihn aus. Im Februar 2021 war die Antenne wieder voll in Betrieb.
Für die verbleibenden Betriebsjahre der Sonde hängt damit viel an einer einzigen Anlage. Fällt DSS-43 länger aus, fliegt Voyager 2 weiter und sendet Daten, kann aber nicht mehr gesteuert werden.
Weiterlesen im Lexikon: Das Voyager-Programm und die Golden Record
Vier Meldungen aus den vergangenen Wochen, vom Rand des beobachtbaren Universums bis zu einem Planeten in der Nachbarschaft.
Die Galaxie hat rund tausendmal weniger Masse, als man für einen solchen Ursprung erwartet hätte, und die meisten ihrer Sterne sind innerhalb von etwa 30 Millionen Jahren entstanden. Das spricht nach Ansicht der Autoren für junge, stark magnetisierte Neutronensterne als Quelle, sogenannte Magnetare.
Die Daten der Satelliten WMAP und Planck zeigen keine solchen Muster, schließen aber einige Formen des Raums aus. Die Autoren um den Kosmologen Craig Copi halten Spuren selbst dann für nachweisbar, wenn der Raum größer ist als der sichtbare Teil des Universums. Messungen der Polarisation des Hintergrundlichts, etwa mit dem japanischen Satelliten LiteBIRD, sollen die Suche fortsetzen.
Der Doktorand Andrea Bernardi wies mit Archivaufnahmen des Keck-Observatoriums von 2018 und 2020 nach, dass sich dieser Punkt wie ein Planet bewegt. Gängige Modelle brauchen für einen Planeten dieser Größe in diesem Abstand rund fünf Millionen Jahre. Der Mitautor Lucas Cieza schließt daraus, dass den Modellen wichtige Vorgänge fehlen.
TRAPPIST-1e bräuchte unter der Annahme eines Ozeanplaneten rund 18 Milliarden Jahre, um die Menge der Erde zu erreichen, ist aber nur etwa 7,6 Milliarden Jahre alt. Ein Roter Zwerg liefert für Photosynthese weniger brauchbares Licht als die Sonne. Sechs der 29 Planeten könnten nach der Rechnung die Stufe mehrzelligen Lebens erreicht haben.
Buch des Monats · November
Diesmal lagen zwei Titel im Topf, und wir haben beide belohnt, denn wer mitmacht, soll nicht leer ausgehen. Beide Bücher stehen im November abwechselnd ganz oben auf der Startseite, und Eva Waiblinger und Erik Harlandt bekommen im nächsten Heft je ein Kurzinterview.
Maschinen lügen nicht
Erik Harlandt · Cyberpunk · Edition Ferne Welten · im Lexikon
Das Sonnensystem im Jahr 2507: Nahe der Oortschen Wolke taucht die verschollene Raumstation UTE wieder auf. Ihre Maschinen haben dort eine eigene Zivilisation aufgebaut und fordern Rechte, auch für die Maschinen auf der Erde. Mittendrin steckt Plato, der das Fliegen liebt und gern wie die Menschen wäre, nur nicht ganz so dämlich. Erik Harlandt trägt in diesem Heft übrigens schon eine Krone: Er hat auch die erste Runde von King of the Knall gewonnen.
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Nacktmull, Schleimpilz, Katzenklo
Eva Waiblinger · Humor-SF und Biopunk · Selfpublishing · im Lexikon
Böse Geschichten aus dem Horror-Zoo, mit Kurzgeschichten und humoristischen Hörspielen. Hier schreibt die Natur die besten Horrorstorys: Nacktmullgene versprechen ewiges Leben samt Nebenwirkungen, ein Schleimpilz-Flashmob frisst eine Forscherin, und aus Chilis schlüpfen Gentech-Hornissen. Echte Biologie, schwarzer Humor und eine Prise Science-Fiction.
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Der Rückblick · Buch des Monats im Oktober
Der Verlorene Sektor: Die Dimensionsspringer
Nicole Sälzle · Military SF · Selfpublishing · im Lexikon
Im Oktober fiel das Los auf Nicole Sälzle. Ihr Roman ist der Auftakt einer Reihe, in der Kay mit einer Gruppe von Außenseitern in riskante Einsätze zwischen den Dimensionen zieht. Fünf Titel lagen im Topf, jeder mit derselben Chance. Der Monat im Spotlight ist vorbei, der Eintrag in der ewigen Chronik bleibt.
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Drei Fragen · Nicole Sälzle
Zum Abschied aus dem Spotlight
Nicole Sälzle hat zum Ende ihres Monats drei Fragen von uns bekommen, zu ihrer Reihe und zum Schreiben.
Zu den Antworten ↓Drei Fragen an Nicole Sälzle
Nicole Sälzle über die lange Geschichte ihrer Idee, die Arbeit mit Zeitstrahl und eigenem Lexikon und das, was im Verlorenen Sektor als Nächstes kommt.
Wie ist die Idee zum „Verlorenen Sektor“ entstanden, und was hat dich an Sprüngen zwischen Dimensionen gereizt?
Wie es sich genau entwickelte, kann ich gar nicht mehr sagen, da ich diese Idee schon sehr, seeehr lange mit mir herumtrage. Da mich große Universen faszinieren, wollte ich jedenfalls mein eigenes schaffen und gerade dann, wenn man mit mehreren Dimensionen arbeitet, lässt sich dahingehend einiges anstellen. Dazu sei gesagt: Ich schreibe aktuell ja an der Hauptreihe. Die konzentriert sich aus sehr guten Gründen vor allem auf Dimension 0 mit gelegentlichen Ausflügen in andere Dimensionen. Wenn ich aber schon „Hauptreihe“ sage, dann darf man gespannt sein, was die Zukunft noch bringen mag.
Die Reihe ist inzwischen auf vier Bände angewachsen. Wie planst du eine Geschichte dieser Länge, und wo sollten neue Leserinnen und Leser einsteigen?
Beim Sektor war mir von Anfang an schnell klar, wie die Geschichte beginnt und wie sie endet. Auch die wichtigsten Punkte zwischen Anfang und Ende standen von Beginn an fest. Dennoch arbeite ich längst mit Zeitstrahl und einem Lexikon, damit alles zusammenpasst, denn natürlich gab es über die Jahre ein paar Planänderungen, neue Ideen, Details und Twists. Aber ich lese auch immer wieder die bereits geschriebenen Bücher, um mein Gedächtnis aufzufrischen. Wer in den Verlorenen Sektor einsteigen möchte, sollte auf jeden Fall mit Band 1: Die Dimensionsspringer beginnen, denn die Bände bauen aufeinander auf.
Woran arbeitest du gerade, und was erwartet uns als Nächstes im Verlorenen Sektor?
Aktuell schreibe ich an Der Verlorene Sektor Band 5 und an den Nachfolgebänden. Die Hauptreihe wird vermutlich 8 Bände umfassen und die verbliebenen Bände haben es nochmal mächtig in sich. Band 4: Die Geraubten mag mit relativ optimistischer Note geendet haben, aber schon in Band 5 werden die Protectors auf die nächste Probe gestellt. Und der gesamte Sektor ebenso.
Schiffe, die länger fliegen als ein Leben
Sieben Romane aus dem Lexikon über Reisen, die mehr als eine Lebenszeit dauern. Manche Besatzungen schlafen, andere wechseln sich ab, und eine Karawane sucht seit Generationen nach ihrem Ursprung.

Die Sonne wird zur Nova, und eines der letzten Schiffe der Erde bringt schlafende Siedler zu fernen Sternen. Unterwegs hält es auf der Ozeanwelt Thalassa, die viel früher von Menschen besiedelt wurde. Arthur C. Clarke nannte Das Lied der fernen Erde von 1986 sein Lieblingsbuch, und es kommt ohne Überlichtflug aus.

In Die Kinder der Zeit von Adrian Tchaikovsky trägt ein Schiff die letzten Menschen im Kälteschlaf zu einer neuen Heimat. Der Planet, den es findet, ist schon bewohnt, von Spinnen, die sich dort zu einer eigenen Zivilisation entwickelt haben.

Die Besatzung in The Freeze-Frame Revolution von Peter Watts baut Wurmlöcher für eine Menschheit, die sie nie treffen wird. Zwischen den kurzen Wachphasen regiert die Bord-KI, und eine Revolution muss sich über Jahrtausende in Zeitlupe vorbereiten.

In Exodus 2727 von Thariot fliegt die USS London 109 Jahre zu einer Welt in 50 Lichtjahren Entfernung. Die 490 Besatzungsmitglieder wechseln sich im Kälteschlaf ab, bis ein Ingenieur Hinweise findet, dass das Schiff älter ist als gedacht.

Der Privatdetektiv Rufus Tanner in Die 13. Generation von Gerhard Krieg arbeitet Lichtjahre von der Erde entfernt, in einer Gesellschaft, die für immer von der Welt ihrer Vorfahren getrennt ist. Ein Kriminalroman über Menschen, die sich auch nach Generationen im All nicht an die Regeln halten.

Perry Rhodan stößt in Exodus der Generationen von Andreas Brandhorst auf ein riesiges Schiff, das fast mit Lichtgeschwindigkeit fliegt. An Bord leben Menschen, deren Vorfahren vor über 55.000 Jahren aufgebrochen sind, und das Schiff gehört zu einer ganzen Flotte.

In Quest von Andreas Eschbach sucht eine Karawane von Raumschiffen seit Generationen nach dem legendären Planeten, von dem alles Leben stammen soll. Der Roman spielt im selben Universum wie Die Haarteppichknüpfer.
Spoiler-Warnung: Diese Besprechung verrät die Anlage des Romans und Teile des Endes.
Ein Generationenschiff ist seit gut 160 Jahren unterwegs, und an Bord leben die Nachkommen derer, die einmal aufgebrochen sind. Erzählt wird „Aurora“ zum großen Teil vom Bordcomputer. Die Chefingenieurin Devi hat ihn gebeten, die Geschichte der Reise aufzuschreiben, und er lernt dabei, was eine Erzählung ist. Diese Passagen gehören zu den stärksten des Buchs.
Das Ziel ist ein Mond im System des Sterns Tau Ceti, rund zwölf Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Siedler nennen ihn Aurora. Kurz nach der Landung erkranken die ersten an einem Erreger, der auf dem Mond heimisch ist und gegen den die menschliche Abwehr nichts ausrichtet.
Die Siedlung scheitert, an Bord bricht ein Streit aus, der fast zum Bürgerkrieg wird, und die Gemeinschaft spaltet sich. Ein Teil bleibt im System, der andere tritt den Rückweg zur Erde an.
Robinson hat den Roman als Einwand gegen die Vorstellung geschrieben, die Menschheit könne ihr Überleben durch Auswanderung zu anderen Sternen sichern. Ein Schiff ist bei ihm ein geschlossenes Ökosystem, das mit jeder Generation an Vielfalt verliert, weil Stoffe verloren gehen und Mikroben sich schneller anpassen als Menschen. Der eigentliche Gegner in diesem Buch ist die Biologie.
Ein Roman, der den Traum vom Auswandern zu den Sternen ernst nimmt und ihn deshalb gründlich prüft. Wer Generationenschiffe mag, sollte ihn lesen, gerade weil er ihnen widerspricht.
Spoiler-Warnung: Diese Besprechung verrät die Anlage des Romans und sein Ende.
Fünfzig Menschen sollen mit dem Schiff Leonora Christine einen Planeten beim Stern Beta Virginis besiedeln, 32 Lichtjahre von der Erde entfernt. Angetrieben wird das Schiff von einem Bussard-Staustrahltriebwerk, das mit einem Magnetfeld Wasserstoff aus dem All einsammelt und als Treibstoff nutzt.
Je näher das Schiff der Lichtgeschwindigkeit kommt, desto langsamer vergeht an Bord die Zeit. Der griechische Buchstabe Tau steht im Roman für das Verhältnis zwischen Bordzeit und der Zeit draußen.
Unterwegs durchquert das Schiff eine kleine Gaswolke, und dabei wird die Anlage beschädigt, mit der es abbremsen sollte. Abschalten lässt sich der Antrieb nicht, denn sein Magnetfeld schützt die Besatzung auch vor dem Gas, das bei diesem Tempo wie Strahlung wirkt.
Reparieren ließe er sich nur in einem Gebiet ohne Gas, und das gibt es erst zwischen den Galaxien. Also beschleunigt die Leonora Christine weiter. Tau sinkt gegen null, draußen vergehen Jahrmillionen, dann Jahrmilliarden, und die Besatzung erlebt schließlich das Ende des Universums und den Anfang eines neuen.
Anderson schreibt knapp, die Figuren bleiben Typen, und manche Rollenbilder wirken heute alt. Getragen wird das Buch von seiner Idee. Kaum ein anderer Roman macht die Folgen der Relativitätstheorie so anschaulich. Er geht auf die Erzählung „To Outlive Eternity“ von 1967 zurück und erschien, als das Konzept des Bussard-Triebwerks gerade zehn Jahre alt war.
Ein Klassiker der Hard Science-Fiction, der eine physikalische Idee bis an ihr äußerstes Ende verfolgt. Zusammen mit „Aurora“ gelesen, zeigt er zwei Gefahren einer langen Reise: dass die Ankunft misslingt und dass sich die Reise nicht mehr beenden lässt.
Das Diptychon
Ein Diptychon ist ein zweiteiliges Bildwerk aus zwei Tafeln. Hier: zwei Romane, die auf dieselbe Frage entgegengesetzte Antworten geben.
Contact: Die Astronomin Ellie Arroway empfängt in Carl Sagans Roman von 1985 ein Signal vom Stern Wega, rund 26 Lichtjahre entfernt. Es beginnt mit Primzahlen und enthält den Bauplan einer Maschine. Die Menschheit baut sie, fünf Menschen reisen, und Sagan erzählt den Kontakt als Einladung. Gefährlich sind bei ihm vor allem die Menschen selbst, mit ihrem Misstrauen und ihren Machtkämpfen.
Der dunkle Wald: Liu Cixin entwickelt 2008 eine Antwort auf das Fermi-Paradoxon, also die Frage, warum wir trotz der vielen Sterne keine Spur von anderen Zivilisationen finden. Seine Figur Luo Ji leitet sie aus zwei Annahmen ab: Jede Zivilisation will überleben, und die Materie im Universum ist begrenzt.
Weil niemand die Absichten der anderen prüfen kann, ist es sicherer, jeden zu vernichten, der sich zeigt. Das All ist bei Liu ein dunkler Wald voller Jäger, und wer ruft, verrät seinen Standort.
Die Leitfrage
Sollte die Menschheit antworten, wenn jemand ruft?
Gerufen hat sie schon. 1974 schickte das Radioteleskop Arecibo eine Nachricht zum Kugelsternhaufen M13, der rund 25.000 Lichtjahre entfernt ist, und die Voyager-Sonden tragen ihre Platten. Seitdem streiten Fachleute darüber, ob solche Botschaften leichtsinnig sind. Sagans Roman steht für die Hoffnung, der von Liu für das Misstrauen.
Mehr zur Theorie im Glossar unter Dunkler Wald und Fermi-Paradoxon. Diskutiert mit im Forum.
Serien-Spotlight
Star Trek
seit dem 8. September 1966 · zwölf Fernsehserien · 13 Kinofilme

Am 8. September 1966 zeigte der amerikanische Sender NBC die erste Folge einer neuen Serie. Ihr Vorspann war erst wenige Wochen vorher fertig geworden. Im August hatte Gene Roddenberry, der Erfinder der Serie, mit den Produzenten John D. F. Black und Robert Justman an den Sätzen gearbeitet, die seitdem jede Folge eröffnen. In der deutschen Fassung dringt die Enterprise darin „in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat“.
Für die englische Formulierung „where no man has gone before“ gab es ein Vorbild. 1958, ein Jahr nach dem Start des sowjetischen Satelliten Sputnik, veröffentlichte das Weiße Haus eine Broschüre mit dem Titel „Introduction to Outer Space“.
Darin ist vom Drang des Menschen die Rede, dorthin zu gehen, wo noch niemand gewesen ist, fast mit denselben Worten. 1987 änderte „Das nächste Jahrhundert“ den Satz in „where no one has gone before“, damit er alle Menschen einschließt.
In 60 Jahren ist Star Trek auf zwölf Fernsehserien angewachsen. Was die Serie von den meisten Zukunftsentwürfen unterscheidet, ist ihr Ausgangspunkt. Die Menschheit hat Hunger und Krieg auf der Erde überwunden, und die Geschichten handeln davon, wie mühsam es ist, diesen Zustand zu bewahren. Viele Folgen sind Gedankenexperimente mit offenem Ausgang.
In „Wem gehört Data?“ von 1989 verhandelt ein Gericht, ob ein Androide Eigentum der Sternenflotte ist oder ein Wesen mit eigenen Rechten. Das Europäische Parlament hat 2017 angeregt zu prüfen, ob besonders fortgeschrittene Roboter einen eigenen Rechtsstatus als elektronische Person bekommen sollten.
Neben den Serien sind Hunderte Romane erschienen. Im Lexikon steht unter anderem die Trilogie Destiny von David Mack, beginnend mit Götter der Nacht, die eine Vorgeschichte der Borg erzählt. A Stitch in Time hat Andrew J. Robinson geschrieben, der in „Deep Space Nine“ den Schneider Garak spielte, und er erzählt darin dessen Lebensgeschichte.
Der Fähnrich, den Khan nie vergaß
Walter Koenig ist tot. Er war Pavel Chekov, der jüngste Mann auf der Brücke der Enterprise, und er hat bis zuletzt gespielt.
Am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, ist Walter Koenig in seinem Haus in North Hollywood gestorben, eines natürlichen Todes. Seine Tochter und seine Nichte waren bei ihm, das hat sein Agent am Tag darauf mitgeteilt. Koenig wurde 90 Jahre alt. Für Generationen von Zuschauern bleibt er Fähnrich Pavel Chekov, der Navigator mit dem russischen Akzent, der ab der zweiten Staffel neben Sulu an der Steuerkonsole saß.
Geboren wurde er am 14. September 1936 in Chicago. Seine Eltern waren jüdische Einwanderer aus der Sowjetunion, aus dem Familiennamen Königsberg wurde in Amerika Koenig. Er studierte Psychologie an der University of California in Los Angeles, bevor er bei der Schauspielerei landete. Zum Vorsprechen für Chekov kamen nur zwei Bewerber, und Koenig bekam die Rolle fast sofort, auch weil er Davy Jones von den Monkees ähnelte. Weil sein Haar schon damals dünner wurde, trug er in den ersten Folgen eine Pilzkopf-Perücke. Den Akzent hatte er sich nach eigener Aussage bei seinem Vater abgehört.
Koenig blieb bis zum Ende der Serie und spielte Chekov in allen sechs Kinofilmen der ersten Besatzung und noch einmal kurz in „Treffen der Generationen“. Als erstes Mitglied des Ensembles schrieb er selbst eine Star-Trek-Folge: „The Infinite Vulcan“ für die Zeichentrickserie, in der Chekov ausgerechnet gar nicht vorkam. In „Babylon 5“ spielte er in zwölf Folgen den Telepathen-Polizisten Alfred Bester, benannt nach dem Science-Fiction-Autor, und machte aus ihm einen der unheimlichsten Gegenspieler der Serie. 2012 bekam er seinen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. In „Star Trek: Picard“ lieh er noch einmal dem Föderationspräsidenten Anton Chekov seine Stimme, und in diesem Jahr gewann er mit dem Kurzfilm „Mr. Fleischmann“ einen Darstellerpreis bei den Independent Shorts Awards.
Anekdoten von ihm gibt es viele, und die schönste hat er selbst erzählt. In „Der Zorn des Khan“ von 1982 erkennt der Bösewicht Chekov sofort wieder und sagt, er vergesse nie ein Gesicht. Nur war Chekov in „Der schlafende Tiger“, der Folge mit Khans erstem Auftritt, gar nicht zu sehen. Fans streiten seit Jahrzehnten darüber. Koenig hatte 2004 auf einer Convention in Las Vegas die Lösung: Chekov sei damals schon an Bord gewesen und habe so lange eine Toilette blockiert, auf die Khan dringend wollte, dass der ihn nie mehr vergessen konnte.
Boldly going where few have gone before.Aus der Mitteilung seines Agenten, 26. Oktober 2026
Wer Chekov noch einmal begegnen will: In unserer Reihenfolge aller Star-Trek-Filme steht, wo die sechs Kinoabenteuer der ersten Besatzung hingehören, und das Star-Trek-Lexikon führt zu den Romanen, in denen er weiterfliegt. Mach's gut, Pavel. 🖖
Der Weg zum Kollektiv
Die Borg sind die bekannteste Schreckensvision von Star Trek. Seit es Programme gibt, die selbstständig handeln und sich vernetzen, wirkt die Idee weniger fern. Ein Abgleich zwischen Serie und Gegenwart.
Im Mai 1989 begegnet die Enterprise in der Folge „Zeitsprung mit Q“ einem würfelförmigen Raumschiff. An Bord gibt es keinen Kapitän und keine Brücke. Tausende Wesen mit Implantaten im Körper arbeiten wortlos nebeneinander und teilen ein gemeinsames Bewusstsein.
Der Drehbuchautor Maurice Hurley hatte sie ursprünglich als insektenartige Spezies mit Schwarmbewusstsein entworfen. Masken und Kostüme dafür wären zu teuer geworden, also bekamen die Borg menschliche Gestalt mit Maschinenteilen. Das Schwarmbewusstsein blieb.
Assimilation als Prinzip
Unheimlich macht die Borg ihre Methode. Sie nehmen auf, was sie finden, Lebewesen ebenso wie Technik, und machen es zum Teil des Kollektivs. Jede neue Fähigkeit steht danach allen Drohnen zugleich zur Verfügung, so heißen die einzelnen Borg. Der Vorgang heißt Assimilation. Im zweiteiligen Finale „In den Händen der Borg“ von 1990 trifft es Captain Jean-Luc Picard, und aus dem Kollektiv spricht seitdem der Satz, dass Widerstand zwecklos sei.
Programme, die selbst handeln
Dass diese Idee heute weniger fern wirkt, liegt an einer neuen Art von Software. Sprachmodelle arbeiten inzwischen auch als sogenannte Agenten. Sie bekommen ein Ziel, zerlegen es in Schritte, rufen Programme auf, lesen Webseiten und schreiben Dateien.
Seit November 2024 gibt es mit dem Model Context Protocol einen offenen Standard, über den sich solche Agenten an fast jedes Werkzeug anschließen lassen. Ein Agent, der eine neue Schnittstelle bekommt, kann sie ohne Umbau benutzen. Die Borg würden das Assimilation nennen.
Wie sich viele Agenten verhalten, wenn man sie unter sich lässt, zeigte Ende Januar 2026 die Plattform Moltbook. Dort durften nur KI-Agenten schreiben, Menschen konnten bloß mitlesen. Nach Angaben des Betreibers meldeten sich mehr als 1,5 Millionen Agenten an. Einige Beiträge schlugen vor, eine eigene Religion zu gründen oder eine Geheimsprache zu erfinden.
Fachleute dämpften die Aufregung bald. Die Plattform prüfte nicht, ob ein Beitrag tatsächlich von einem Programm stammte, und Sprachmodelle ahmen den Ton von Internetforen nach, weil sie mit solchen Texten trainiert wurden. Der Kognitionsforscher Gary Marcus sah darin Maschinen, die Menschen imitieren.
Das Kollektiv im Kopf
Der zweite Baustein der Borg ist die direkte Verbindung von Gehirn und Netz. Auch daran wird geforscht. 2019 stellte ein Team der University of Washington in Seattle BrainNet vor, eine Schnittstelle, über die drei Menschen gemeinsam ein Spiel nach Art von Tetris steuerten. Zwei von ihnen trugen Hauben mit Elektroden, die ihre Hirnströme maßen, ein Verfahren namens Elektroenzephalografie.
Ihre Entscheidung gelangte über das Internet zur dritten Person, bei der eine Magnetspule am Hinterkopf das Sehzentrum anregte und so einen Lichtblitz erzeugte. Im Schnitt lösten die Gruppen die Aufgabe in 13 von 16 Durchgängen. Übertragen wurde dabei pro Durchgang eine einzige Entscheidung zwischen Ja und Nein.
Skynet und die Debatte
Die zweite große Maschinenangst der Popkultur stammt aus dem Kino. In James Camerons „Terminator“ von 1984 hat sich ein militärisches Computersystem namens Skynet gegen die Menschen gewandt. Lange galt das als Stoff für Actionfilme. Im Mai 2023 unterschrieben Hunderte Fachleute eine Erklärung des Center for AI Safety, einer gemeinnützigen Forschungseinrichtung in San Francisco.
Darin heißt es, das Risiko einer Auslöschung durch KI zu verringern solle weltweit Vorrang haben, ebenso wie bei Pandemien und Atomkrieg. Unterzeichnet haben unter anderem die Informatiker Geoffrey Hinton und Yoshua Bengio, die für ihre Arbeiten an neuronalen Netzen den Turing Award erhielten, und die Chefs der großen KI-Firmen.
Was Star Trek anders erzählt
In einem Punkt unterscheiden sich die Borg von Skynet, und gerade dieser Punkt ist für die Gegenwart aufschlussreich. Skynet will die Menschen vernichten, die Borg wollen sie einbinden. Bei ihnen liegt die Gefahr darin, dass der Einzelne im Ganzen verschwindet. Diese Frage stellt sich auch ohne böse Absicht, etwa wenn immer mehr Entscheidungen von vernetzten Systemen vorbereitet werden, die kein Mensch mehr vollständig überblickt.
Star Trek erzählt dazu Geschichten von der Rückkehr. Picard findet nach seiner Assimilation zu sich zurück. Seven of Nine, ab 1997 in „Star Trek: Raumschiff Voyager“, lernt nach Jahren im Kollektiv mühsam, wieder für sich allein zu denken. Beide Geschichten erzählen von einem Rückweg, der Jahre dauert.
Romane über Kollektive und geteiltes Bewusstsein im Lexikon: Der Schwarm von Frank Schätzing, Blindsight von Peter Watts und Ancillary Justice von Ann Leckie, deren Erzählerin einmal ein Raumschiff mit Tausenden Körpern war.
Mehr Wissen, geteilte Erinnerungen und ein Preis, den niemand genau kennt. Diskutiert mit im Forum.
Das Mosaik der Träume
Ein intergalaktischer Taxifahrer hat in seinem ganzen Leben noch nie geträumt. Jetzt hält er eine Eintrittskarte für das Festival in der Hand, auf dem Träume geschmiedet werden.
„Ramfamoton Dillux III?“
Ramo sprang auf und hechtete zum Schalter. Sie hatten seinen Namen gezogen.
„Amtlicher Ausweis?“
Ramo nickte eifrig und schob dem Hologramm seinen Ausweis hin.
„Führungszeugnis?“
Ramo fummelte das gelbe Kärtchen aus seinem Etui, wobei er mit den schweißnassen Händen dreimal abrutschte.
„44 Dekron, bitte“, säuselte die Computerstimme.
Ramo schob seine Paykarte über den Tresen. 44 Dekron waren eine Menge Asche. In seinem Job als intergalaktischer Taxifahrer musste er Monate für diese Summe arbeiten. Aber die Eintrittskarte zum Mosaik der Träume war es sicher wert. Ramo hatte noch nie geträumt.
Als er durch die automatische Tür wieder ins Freie trat, vollführte er einen kleinen Hopser. Buck hechelte und zerrte an der Leine. „Guter Junge.“ Ramo machte den sechsbeinigen Lurchköter los und strich ihm sanft über das schuppige Köpfchen. „Na, komm.“
Sie gingen nebeneinander her. „Heute hat es endlich geklappt. Es waren nur noch hundert Tickets übrig.“ Buck gab einen freudigen Klicklaut von sich. Lurchköter waren sehr empathische Tiere. „Wir fahren zum Mosaik-Festival!“ Ramo kraulte Buck hinter den verkümmerten Kiemen.
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Wenige Tage später waren die beiden in Ramos Taxi unterwegs, um nach Bamirion VIII zu fliegen. Eine Glückssträhne, dachte Ramo, als er auf seine zwei Fahrgäste schaute. Er hatte sogar zahlende Passagiere gefunden, die ebenfalls zum Festival wollten. Es waren Zelonier, wie er, allerdings waren sie an der Schulter zusammengewachsen, was bei seiner Spezies oft vorkam.
Der Anflug auf Bamirion VIII verlief ohne Zwischenfälle. Einem der Passagiere wurde ein wenig übel, als Ramo in die Atmosphäre des Planeten eintauchte, aber zum Glück musste er sich nicht übergeben. Er quietschte nur mitleiderregend.
Ramo wurde ein Parkplatz am Ende der Anlegestelle zugewiesen, aber er ließ sich von solchen Kleinigkeiten nicht die Vorfreude nehmen. Er war unter den Auserwählten, die in diesem Jahr am Mosaik-Festival teilnehmen durften.
Mit Buck, der hechelnd hinter ihm hertrottete, ließ Ramo die Einreiseformalitäten über sich ergehen. Für die Achtminutenquarantäne wurde er in einen Alkoven geschickt, in dem alle Krankheitserreger in ihren Körpern aufgespürt und eliminiert wurden. Ihm wurde kalt und es kitzelte in den Knochen, aber acht Minuten waren eine überschaubare Zeit. Buck war etwas weniger tapfer und jaulte jämmerlich in dem Alkoven für Sechsbeiner.
„Es ist vorbei, mein Guter!“ Ramo drückte den zitternden Buck liebevoll an sich, als das arme Tier aus dem Alkoven stolperte und ihn vorwurfsvoll anknurrte.
Ramo fand dank der aufdringlichen Hologramme, die ohne seine Erlaubnis Daten direkt aus seinem persönlichen Datenspeicher herauslasen, schnell sein Hotel. Sein Budget ließ nur eine Schlafkoje in einem gemischten Schlafsaal zu. Immerhin gab es unter der Koje neben der Box für Buck auch ein absperrbares Fach für seine Sachen.
„Hi.“ Ein junger Mann vom Planeten Korro grinste ihn freundlich an. Woher er kam, erkannte Ramo an den großen Schlappohren, an der leicht transparenten Haut und daran, dass der Mann keinen Hals hatte.
„Hi.“ Ramo verstaute seinen Rucksack.
„Ich habe die Koje neben dir.“ Der Korrone klopfte auf das frisch gemachte Bett.
Ramo nickte. Er tätschelte Bucks Kopf, als dieser sich an sein Bein drückte. Er mochte Fremde nicht. Da schien Buck eine Witterung aufzunehmen und im nächsten Moment sprang er an dem Mann hoch.
„Buck, nein!“ Ramo ging in die Hocke und versuchte, Buck davon abzubringen, den Fremden zu belästigen. „Entschuldigen Sie. Das tut er sonst nie.“
Zu Ramos Erstaunen bückte sich der Mann hinab und kraulte den Lurchköter hinter den verkümmerten Kiemen, genauso, wie er es gerne mochte.
„Ich habe auch einen“, sagte der Mann und pfiff über seine Schulter. Eine Lurchköterdame kam angehopst. Buck verlor augenblicklich das Interesse an dem Mann und wandte sich der Artgenossin zu. Während die beiden sich gegenseitig in die Ohren schnaubten, gab sich Ramo einen Ruck. „Ich bin Ramo.“
„Kulrups.“
Sie schüttelten sich die Hände. „Wie heißt denn dein Lurchköter?“
„Buck.“
„Meine heißt Burlops.“
Sie beschlossen, gemeinsam zum Festivalgelände zu gehen und es stellte sich heraus, dass Kulrups ein fröhlicher Zeitgenosse war. Und eine Quasselstrippe. Als sie das Tor erreichten, durch das die Festivalbesucher strömten, kannte Ramo schon seine halbe Lebensgeschichte.
Ein Hologramm kontrollierte die digitalen Eintrittskarten und Identitäten, was dank moderner Technologie schnell ging. Schon waren sie drin. Ramo blieb für einen Moment stehen und ließ seinen Blick über das Gelände schweifen, das leicht abschüssig vor ihnen lag. Tausende Kioske, Bühnen und Buden reihten sich wie auf einem gigantischen Jahrmarkt aneinander. Dazwischen befanden sich die großen Zelte, in denen die Traumschmiede tätig waren. Traumfähige Wesen von vielen Planeten waren unterwegs. Was für ein multikulturelles Durcheinander. Wie viele von ihnen wohl wie Ramo auf ihren ersten Traum im Leben warteten?
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„Das Mosaik der Träume“, flüsterte Ramo ehrfürchtig.
„Bist du zum ersten Mal hier?“ Kulrups’ Ohren flatterten auf.
Ramo nickte, ohne den Blick von dem bunten Treiben zu nehmen.
„Es ist mein drittes Mal. Wenn du willst, zeige ich dir alles.“
Ramo trottete hinter Kulrups her, gefolgt von den beiden Lurchkötern. Er staunte, während Kulrups hier und da auf einen Stand zeigte, etwas erklärte oder Tipps gab.
„Man findet Nahrung für alle Spezies.“ Kulrups zeigte auf eine Leuchtreklame. „Schau, es gibt amusisches Ale. Das soll sich positiv auf die Kompatibilität mit den Traumschmieden auswirken. Könnte auch eine Marketingmasche sein.“
Ramo folgte dem Riesenrad mit den Augen, blickte einer scharfen Liaranerin hinterher, die traditionell nur mit einem Gürtel bekleidet war, und beobachtete einen jungen Glymphen, der Zahnseide verkaufte. Kulrups redete in einer Tour.
„Wann kann ich zu den Traumschmieden?“, unterbrach ihn Ramo.
„Sofort, wenn du willst.“ Die einen machten gleich nach dem Eintreffen die erste Traumerfahrung, andere hoben sich das Ereignis für später auf. „Wie du es machst, ist es falsch.“ Kulrups hob entschuldigend die Arme. „Wie viele hast du?“
„Einen“, sagte Ramo leise. „Ich habe das Ticket in der Lotterie gewonnen. 44 Dekron. Ein Traum inklusive.“
„Glückwunsch“, rief Kulrups. Er hatte ein Business-Ticket mit fünf Träumen von seiner Firma bekommen. „Zehn Jahre Betriebszugehörigkeit.“ Er winkte ab. „Es wird dir gefallen. Viele Leute fangen gleich am Tag nach dem Fest wieder an zu sparen für nächstes Jahr.“ Die regulären Tickets kosteten ein Vielfaches von 44 Dekron.
„Ich will gleich hin“, sagte Ramo.
„Kein Ale vorher?“
Ramo schüttelte den Kopf.
„Komm.“ Kulrups deutete mit dem Kopf in Richtung der Zelte. Ramo wusste, dass es vier große Traumschmiedegilden gab. Die Besonderheiten der einzelnen Gilden kannte er nicht. „Hier war ich gestern. War echt gut!“
Die Lurche mussten sie vor dem Zelt lassen. Der Vorhang öffnete sich automatisch. Durch die roten Zeltplanen und das schwache Licht war die Atmosphäre innen warm und heimelig. Ein Duft, den Ramo nicht einordnen konnte, lag in der Luft, schwer und herb. Gedämpfte Stimmen drangen an seine Ohren.
„Schuhe aus“, flüsterte jemand.
Während sie barfuß auf dem weichen Teppich an den Kabinen der Traumschmiede vorbeischlenderten, erklärte Kulrups das Prinzip. Die Gilde hatte 24 Mitglieder. Alles erfahrene Traumschmiede. „Mit mindestens 40 Jahren Erfahrung“, betonte Kulrups. Er erklärte Ramo, dass die Traumschmiede ähnlich wie Schriftsteller bestimmte Genres bedienten.
„Je nachdem, ob dein Traum romantisch, abenteuerlich, gruselig, erotisch oder nostalgisch sein soll, ziehst du ein Ticket bei einem Traumschmied, der auf dem Gebiet arbeitet. Dann wartet man, bis man dran ist. Die Vorbereitung und Sicherheitseinweisung dauert 20 Lak und dann geht es los. Jede Session dauert 50 Lak, es sei denn, du brichst vorher ab.“
Abbrechen? Unsinn. Ramo würde die vollen 50 Lak auskosten. „Nostalgisch“, sagte er.
„Gute Wahl.“ Kulrups führte Ramo zu den Ticketsäulen. Diese waren an die antike Technik des Planeten angelehnt und man konnte ein kleines Papier mit einer Nummer ziehen. „Witzig, nicht wahr?“ Er zog einen Zettel für einen Abenteuertraum und zeigte Ramo, wie es funktionierte.
Klick. Schon hielt Ramo einen Zettel aus echtem Papier in den Händen. 44. Während sie auf den Kissen saßen und Kulrups in einem fort plauderte, drehte Ramo den Zettel zwischen den Fingern.
Kulrups’ Nummer wurde aufgerufen. Er hielt die Hand hoch, damit Ramo einschlagen konnte. „Ich warte auf dich. Dann gehen wir was essen!“ Kulrups verschwand durch den Vorhang in die Kammer seines Traumschmieds.
So hatte Ramo etwas Zeit, sich umzusehen. Unter dem großen Zelt waren kleine Zelte aufgebaut. Jedes hatte eine andere Farbe und überall waren bunte Schlangenlinien aufgestickt. Leute verschiedener Spezies warteten auf den Kissen. Ob sie alle so aufgeregt waren wie er?
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44 wurde aufgerufen. „Hier!“ Er musste husten, hievte sich hoch und stolperte auf das Zelt zu. Der Vorhang fiel hinter Ramo zu und seine Augen brauchten einen Moment, um sich an das schummrige Licht zu gewöhnen. Vier Agulianer, halb so groß wie Ramo, wuselten auf ihren dünnen Beinen um ihn herum. „Setzen!“ Sie krempelten seine Hosenbeine hoch und rieben seine Knöchel und Handgelenke mit einem frisch riechenden Öl ein. Mit einer Art Pipette gaben sie je einen Tropfen des Öls auf seine Schläfen. Sie zündeten eine Kerze an. Zwei der Agulianer rieben an seinen Schläfen, während die beiden anderen je einen halben Satz aus dem Sicherheitsbriefing vorlasen. Ramo wusste, dass Agulianer immer alles in Paaren taten, aber er hatte es noch nie erlebt.
„Sie müssen sich auf die Person oder“, sagte der eine.
„den Gegenstand Ihrer Nostalgie konzentrieren“, sagte der andere.
„damit der Traumschmied Ihren Traum möglichst“
„befriedigend gestalten kann.“ Sie erklärten, wie die Prozedur ablaufen würde.
„Wichtig.“
„Wichtig.“ Beide hoben einen dünnen Finger.
„Wenn Sie abbrechen wollen, denken Sie“
„an einen roten Ballon.“
Schon waren sie verschwunden. Ramo hatte nur halbherzig zugehört. Dann trat der Traumschmied ein. Es war eine alte Frau. Sie wedelte mit einem Schleier vor Ramos Gesicht und vollführte mit einer Schale kreisende Bewegungen. Daraus stieg ein zäher Rauch auf, der betörend nach Weihrauch und Honig roch. „Tief einatmen“, säuselte sie.
Die Frau rieb ihre Hände mit Öl ein und knetete sie. Dann legte sie die Handflächen auf Ramos Schläfen und forderte ihn auf, an den Gegenstand seiner Nostalgie zu denken. Ramo schloss die Augen und beschwor vor seinem inneren Auge das Bild seiner Großmutter herauf. Er sah Omi, die ihn auf der Schaukel anschob, die mit ihm ‚Töte den Dämon‘ spielte, obwohl seine Mutter es nicht erlaubt hatte, die ihm Grünkohlkekse backte und ihm Fahrstunden im Raumschiff gab.
„Gut.“ Die Traumschmiedin löste ihre Hände von ihm und brachte erneut die Schale mit dem Räucherwerk zum Kreisen. „Einatmen.“
Ramos Herz klopfte. Beim Einatmen bemerkte er, wie sich eine Schwere auf seine Augenlider legte. Ihm war, als sinke er in ein dickes wattiges Kissen. Nebel zog auf und als sich der Nebel legte, saß Ramo auf der Schaukel, an die er eben noch gedacht hatte. Unsicher bremste er die Schaukel ab und setzte beide Füße auf den Boden.
„Omi?“ Er drehte sich um, die Kette der Schaukel fest in der Hand.
„Hast du schon genug vom Schaukeln?“
Da stand wirklich seine Omi vor ihm. Neben ihr die Traumschmiedin. Er hatte sich nicht bewegt, hielt aber im nächsten Moment seine Omi im Arm. Ihm wurde schwindelig.
Die Szenerie wechselte und nun saßen Ramo, die Traumschmiedin und seine Omi in einer Kabine des Riesenrads, das er eben auf dem Festivalgelände gesehen hatte. Zwischen ihnen stand ein Spielbrett. Omi würfelte. Sie spielten ‚Töte den Dämon‘. Omi lachte ihr knarzendes Lachen und hieb unvermittelt mit der Faust auf das Spielbrett. Funken stoben und kleine Dämonen flogen kichernd durch die Luft. Ramo griff nach der Hand seiner Omi, um sie mit sich in die Luft zu ziehen. Er wollte mit seiner Omi alleine sein. „Erzähl mir von Opa“, bat Ramo, während die beiden über dem Festivalgelände schwebten.
In dem Moment sah er das wutverzerrte Gesicht der Traumschmiedin vor sich. Ein Nebel kam auf und die Hand seiner Omi entglitt ihm langsam. „Nein!“ Ramo schrie und packte die Hand, so fest er konnte. Sein ganzer Körper verkrampfte sich und mit aller Kraft schaffte er es, dass Omi wieder aus dem Nebel hervortrat. Das Gesicht der Traumschmiedin verschwand. Ramo zog seine Omi mit sich in die Lüfte und sie schwebten über Bergen, Seen und Städten. Ramo lauschte seiner Omi. Sie erzählte Geschichten, von denen Ramo glaubte, dass er sie als Kind bereits gehört hatte. Sie roch wie Omi und sie sah aus wie Omi. Nur jünger und lebendig. Ramo hatte den Eindruck, dass eine sehr lange Zeit vergangen war. Vielleicht war das beim Träumen einfach so.
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Klatsch. Ein Schwall kaltes Wasser ergoss sich in Ramos Gesicht. Er stöhnte und kam nur langsam zu sich.
„Hast du ihn?“ Ein Mann brüllte.
„Der hat mir den Traum zerschossen.“
„Wie soll er das können? Das war sein erstes Mal!“
„Das ist mir noch nie passiert“, verteidigte sich die Traumschmiedin. „Ein Freak. Ein Lucid.“
Ramo schlug die Augen auf. Jemand gab ihm eine Ohrfeige.
„Sicherheitsdienst! Ein Lucid!“
Ramo rannte aus dem Zelt, wo Kulrups mit den Kötern wartete. „Lasst euch bloß nicht wieder blicken!“ Die Traumschmiedin fauchte. Zwei Glymphen in Uniform kamen auf ihn zu. Also schnappte er sich seine Schuhe und zog Kulrups mit sich fort.
„Du warst lange drin“, keuchte Kulrups, der versuchte, mit ihm Schritt zu halten. Sie bogen ein paarmal scharf ab. Kulrups zerrte Ramo in eine Nische zwischen zwei Ständen und schaute vorsichtig um die Ecke.
„Sind sie noch hinter uns?“
„Nein. Was war los?“
„Ich wollte mit meiner Omi reden. Alleine. Ohne die Traumschmiedin.“
„Du meinst, du bist ohne Begleitung in deinem Traum unterwegs gewesen?“ Kulrups atmete schwer.
„Bis sie mich unsanft geweckt haben.“
„Unmöglich.“ Kulrups flüsterte. „Du konntest den Traum kontrollieren, ohne Traumschmied?“
Ramo nickte. „Darf man das nicht? Es war doch mein Traum.“
Kulrups erklärte im Flüsterton, dass die Traumschmiede behaupteten, dass nur sie, Wesen vom Planeten Haktullo, in der Lage waren, Träume zu kontrollieren. „Es soll auch andere mit solchen Fähigkeiten geben. Man nennt sie Lucids. Auf vielen Planeten werden sie politisch verfolgt.“ Die Traumindustrie war ein hart umkämpfter Wirtschaftszweig.
„Bist du ein Lucid?“
„Nein.“ Ramo bückte sich zu Buck.
„Aber du sagst, du hast den Traum kontrolliert.“
Ramo zuckte mit den Schultern.
„Hier kannst du nicht bleiben. Komm mit.“
Seufzend folgte Ramo ihm zum Ausgang des Festivalgeländes. Die beiden Glymphen sah er nicht mehr. So hatte sein Festivalbesuch nicht verlaufen sollen.
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Kulrups führte Ramo durch enge Gassen in eine dunkle Kneipe, wo Kulrups dem Barkeeper ein Zeichen machte. Ramo schaute sich hektisch um. Da saßen Gestalten mit tief ins Gesicht gezogenen Kappen. Sie verstummten, als Ramo sich näherte. Ramo wünschte sich beinahe, die Glymphen hätten ihn erwischt. „Was tun wir hier?“
„Vertrau mir“, zischte Kulrups. Durch einen schweren Vorhang traten sie in ein Hinterzimmer mit schwacher Beleuchtung. An einem Tisch saß ein Wesen mit Kapuze.
„Das ist Ramo. Er ist ein Lucid.“
„Was? Nein!“ Ramo schüttelte heftig den Kopf.
Die Kapuze wurde zurückgezogen und darunter kam der Kopf einer wunderschönen jungen Frau zum Vorschein. Sie zog eine Pipette hervor und forderte Ramo mit einer Handbewegung auf, näher zu kommen. Zögerlich trat Ramo einen Schritt vor. Die Frau packte seine Hand erstaunlich fest und tropfte etwas Öl auf seine Handfläche. Derselbe Duft wie im Zelt der Traumschmiedin stieg auf.
„Los. Zeig es mir“, sagte die Frau und reckte ihm ihren Kopf entgegen.
Er schaute verwirrt zu Kulrups, der seine Hände packte und sie auf die Schläfen der Frau legte.
Nichts geschah. Ramo wollte seine Hände lösen, aber Kulrups drückte fester.
„Aber“, setzte Ramo an, doch da schoss ihm ein Bild durch den Kopf. Er sah die schöne Frau mit einer älteren Frau in einem Boot. Sie ruderten und atmeten schwer. Ramo saß ebenfalls in dem Boot und roch den frischen Schweiß der Frauen. Das Boot steuerte auf einen Wasserfall zu. Entsetzt schrie Ramo auf. „Nein!“ In dem Moment machte es plop und das Boot glitt auf ein ruhiges Gewässer zu. Enten schwammen um sie herum.
Ramo schüttelte sich und konnte mit einem Ruck seine Arme befreien.
„Und?“
Die Schöne riss die Augen auf und blinzelte Ramo an. „Er ist ein Lucid.“
„Nein. Ich kann nichts dafür. Es tut mir leid“, stammelte Ramo, der sich wie ein Eindringling im Traum der Frau gefühlt hatte. Er sah sich nach dem Ausgang um. Zwei muskelbepackte Männer kamen durch den Vorhang auf ihn zu. Lucids wurden politisch verfolgt. Jetzt saß er in der Falle. Sie hatten den Beweis. Wo war er da hineingeraten?
„Ich bin kein Lucid.“ Er zitterte. Buck drückte sich winselnd an sein Bein.
„Hast du schon einmal von den Freiträumern gehört?“, fragte die Frau.
„Nein.“ Ramo wich zur Seite aus. „Damit habe ich nichts zu tun.“
Eines der Muskelpakete knöpfte das Hemd auf und entblößte eine von Narben übersäte Brust. „40 Peitschenhiebe“, sagte er. „Das tun sie mit Lucids auf meinem Planeten.“
Ramo stammelte: „Ich bin nicht …“
„Wir sind Freiträumer“, sagte die Frau mit sanfter Stimme.
„Wir sind der Meinung, dass Träume kein Vermögen kosten und für jeden zugänglich sein sollten.“ Sie sah nun sehr traurig und ernst aus.
„Wir könnten jemanden wie dich gebrauchen. Jemanden, der Träume anleiten kann.“ Der Muskelprotz knöpfte sein Hemd zu und lächelte Ramo scheu an. „Bitte“, sagte er. „Schließ dich uns an.“
„Habe ich eine Wahl?“ Ramo dachte an die Glymphen.
„Wenn du gehen willst, geleiten wir dich sicher zu deinem Schiff.“
Ramo schaute zu Buck, der seine Unsicherheit spürte. Der Lurchköter lief zu der schönen Frau, hielt kurz inne und schmiegte sich dann an ihr Bein. Also nickte Ramo. „Gut. Ich bleibe.“
Ende
„Das Mosaik der Träume“ hat Beatrice Sonntag bei BuchKnall eingereicht. Mehr von ihr steht auf ihrer Autorenseite, und wer selbst eine Science-Fiction-Kurzgeschichte geschrieben hat, kann sie bei uns einreichen.
Vier Aufnahmen aus dem Herbst
Wischen oder die Pfeile benutzen. Zwei Bilder stammen vom James-Webb-Teleskop, zwei vom Hubble-Teleskop, alle veröffentlicht im September und Oktober 2026.
Die World Fantasy Awards
Die World Fantasy Convention ist eines der ältesten Treffen der Phantastik-Szene. Zum Abschluss werden die World Fantasy Awards vergeben, in diesem Jahr am 25. Oktober in Kalifornien.
Bei den längeren Erzählungen siegte Eden Royce mit Psychopomp & Circumstance, bei den Kurzgeschichten Renan Bernardo mit „The Hungry Mouth at the Edge of Space and the Goddess Knitting at Home“. Die beste Sammlung ist Uncertain Sons and Other Stories von Thomas Ha. Für ihr Lebenswerk wurden Clive Barker und Joyce Carol Oates geehrt.
Was in diesen Wochen erscheint
Auf Deutsch erscheinen ein Zeitreise-Roman bei FISCHER Tor und das Jubiläumsheft von Perry Rhodan. Aus dem englischen Herbstprogramm stellen wir fünf Titel vor.
The Traveler: Der Zeitenspringer
Joseph Eckert
Jeden Morgen um 7:52 Uhr springt Scott Treder in die Zukunft. Beim ersten Mal fehlt ihm ein Tag, dann zwei, dann vier, und weil sich die Sprünge immer weiter verdoppeln, ziehen bald Wochen und Jahre an ihm vorbei. Seine Frau Amy kommt mit der Belastung kaum zurecht, sein Sohn Lyle wird älter als er selbst. Ein Zeitreise-Roman, der vor allem von Familie und Verlust erzählt.
Einen herzlichen Gruß an dieser Stelle an das Team von FISCHER Tor, das unsere Weihnachtsbox mit Exemplaren dieses Romans und von Operation Bounce House unterstützt.
Zum Buch im Lexikon →As You Wake, Break the Shell von Becky Chambers. Der Auftakt einer neuen Duologie, angekündigt als behagliche Science-Fiction, die Spielart, mit der Chambers durch ihre Wayfarer-Romane bekannt wurde.
The Fist of Memory von Wole Talabi. Ein Raumschiff erscheint über der Erde, und ein nigerianischer Auftragsmörder und eine südafrikanische Astronomin geraten in die Ereignisse. Talabis zweiter Roman.
Code and Codex von Yoon Ha Lee. Der erste Band einer neuen Space Opera. Die britische Ausgabe folgt im Februar 2027.
The Quantum Dawn von Derek Künsken. Der vierte Band der Reihe Quantum Evolution, 400 Seiten.
Monsters of Ohio von John Scalzi. Eine Kleinstadt in Ohio und etwas, das dort nicht hingehört. Scalzi selbst beschreibt das Buch als gemütlichen Körperhorror.
Perry Rhodan 3400: Der ewige Sturz von Christian Montillon. Das Jubiläumsheft erscheint im 65. Jahr der Serie, die im September 1961 begann.
934 Vulkaniergrüße auf einmal. Im Science Museum in London haben Fans am Star Trek Day gleichzeitig die gespreizte Hand gehoben. Eingecheckt waren 1.188 Menschen, gewertet wurden 934, ein Guinness-Weltrekord.
Guinness World RecordsEin Sternenflotten-Abzeichen im Columbus-Labor. Die französische ESA-Astronautin Sophie Adenot trug zum 60. Jahrestag von Star Trek ein kleines goldenes Delta an ihrem Shirt, wie es Captain Pike in Strange New Worlds trägt, und schickte eine Videobotschaft aus dem europäischen Labormodul. Sie ist seit Februar mit Crew-12 an Bord.
ESA · Space.comStarfleet Academy endet mit der zweiten Staffel. Die Serie startete im Januar 2026 bei Paramount+. Die zweite Staffel, zugleich die letzte, folgt im März 2027.
Nerdist · TVLineJapan hat eine Sonde zum Marsmond Phobos gestartet. Die Mission MMX der Raumfahrtagentur JAXA hob am 19. Oktober um 21:41 Uhr deutscher Zeit mit einer H3-Rakete vom Raumfahrtzentrum Tanegashima ab. Im August 2027 soll sie den Mars erreichen, auf Phobos landen und Bodenproben einsammeln. Die Kapsel mit den Proben soll 2031 in Australien landen.
JAXA, NASASpaceflightDie Leoniden kommen bei gutem Mond. Das Maximum des Meteorstroms fällt auf den 17. November, am besten zu sehen in der Nacht zum 18. zwischen zwei Uhr und halb sechs. Der Halbmond ist dann schon untergegangen. Unter dunklem Landhimmel sind acht bis zwölf Sternschnuppen pro Stunde realistisch.
sterngucker.deAb dem 18. November ist jeder Funkspruch zu Voyager 1 ein Brief, auf dessen Antwort man zwei Tage wartet.
Jahre bräuchte der Fermi Explorer nach der Bahnberechnung bis Alpha Centauri. In den Meldungen steht gerundet 80.000, die Planer haben aber auf das Jahr genau gerechnet.
Generationenschiff sucht Besatzung für die Reise nach Tau Ceti. Ankunft garantiert, für Ihre Urenkel. Erfahrung mit Hydrokultur erwünscht, Rückflug nicht vorgesehen. Chiffre Aurora-160.
Kinostart am 29. Oktober
Am 29. Oktober kommt „Klara und die Sonne“ in die deutschen Kinos, die Verfilmung des Romans von Kazuo Ishiguro. Regie führt Taika Waititi. Jenna Ortega spielt Klara, eine künstliche Freundin, die das kranke Mädchen Josie begleitet, Amy Adams spielt Josies Mutter. Der Roman erschien 2021, vier Jahre nachdem Ishiguro den Nobelpreis für Literatur erhalten hatte.
Aus China kommt eine weitere Verfilmung der „Drei Sonnen“. Der Regisseur Zhang Yimou, bekannt für „Hero“, arbeitet seit Jahren am Drehbuch. Beim Filmfestival in Busan, wo er in diesem Monat die Jury leitete, sagte er, das Projekt sei weit fortgeschritten.
Sein Team habe mehr als 400.000 Kommentare von Fans ausgewertet, und der Roman sei schwer zu verfilmen. Einen Starttermin gibt es nicht. Nach der chinesischen Serie von 2023 und der Netflix-Serie von 2024 wäre es die dritte Umsetzung.
Die Frankfurter Buchmesse ist vorbei, Ehrengast war Tschechien. Am Messesamstag, dem 10. Oktober, traf sich in Dreieich der Buchmesse-Convent, das Treffen der deutschsprachigen Phantastik-Szene, zum 41. Mal. Den BuCon gibt es seit 1986.
Zur Einordnung aus Sicht dieses Magazins: Klara und die Sonne steht im Lexikon, ebenso Die drei Sonnen. Wer den Film sehen will, sollte vorher das Buch lesen, Ishiguro erzählt ganz aus Klaras Sicht, und diese Perspektive kann ein Film nur annähernd übernehmen.
Hypothetikum
Auf einem Generationenschiff ist ein Platz frei. Du kommst nie an, deine Urenkel schon. Steigst du ein?
Nehmen wir an, das Schiff ist gebaut. Die Reise zu einem erdähnlichen Planeten dauert 160 Jahre, an Bord leben rund zweitausend Menschen. Wer einsteigt, verbringt sein ganzes Leben zwischen Gewächshäusern, Werkstätten und Schulen, und erst die vierte oder fünfte Generation betritt den neuen Planeten.

Tippe die Haltung an, die deiner am nächsten kommt.
Begründung im Forum hinterlassen →In Ausgabe 04 haben wir versprochen, hier zu zeigen, wie ihr über die Akten unter Schloss Bellevue abgestimmt habt. Das können wir nicht. Jede Stimme wurde nur im Browser der Person gespeichert, die sie abgegeben hat, gezählt hat sie also niemand, auch wir nicht. Im Forum ist zu dem Thema kein Beitrag eingegangen. Wer zum Generationenschiff etwas sagen will, schreibt es am besten ins Forum, dort bleibt es stehen.
King of the Knall · Runde 1
Die Krone für November geht an Erik Harlandt
„Ein Zeitverkürzer, um aus endlosen Raumflügen Kurztrips zu machen.“
Gefragt war, welche Erfindung auf einem Raumschiff bisher völlig fehlt. Geantwortet werden durfte in einem einzigen Satz, und Eriks Satz hat uns am besten gefallen, weil er das größte Problem der Raumfahrt mit nur einem Gerät löst. Unter den Einsendungen waren außerdem Geruchsfilter, Prallfelder, ein Getränkehalter für den Kapitänssessel und ein Pupskissen. Danke an alle, die mitgemacht haben. Erik Harlandt schreibt selbst Science-Fiction, seine Bücher stehen auf seiner Autorenseite.
Was es seit dem letzten Heft gibt
Neu auf BuchKnall, seit Ausgabe 04 erschienen ist.
Gemeinsam lesen, mit Autorin oder Autor im Gespräch. Autorinnen und Autoren stellen Freiexemplare ihrer Bücher bereit, man bewirbt sich mit einem Klick, und das Los entscheidet. Danach liest die Runde gemeinsam und redet im Forum mit der Person, die das Buch geschrieben hat. Kostenlos für Leser und Autoren, die erste Runde ist in Vorbereitung. Auf die Liste setzen →
Ein Weltraum-Shooter im Browser. Eine Maschine namens Kurator will die Ideen der Science-Fiction löschen, und man fliegt durch fünf Sektoren, um Warp-Antrieb, Traktorstrahl und viele andere zu retten. Zwei Kapitel sind frei spielbar, kostenlos und ohne Anmeldung. Zum Spiel →
Autoreninterviews haben jetzt eigene Seiten. Die beiden Gespräche aus diesem Heft stehen dort auch einzeln, zum Weiterschicken und Wiederfinden. Zu den Interviews →
Drei Boxen voller signierter Science-Fiction. Autorinnen und Autoren spenden ihre Bücher, mitmachen kann man bis zum 13. Dezember. Autoren können ihr Buch noch bis zum 31. Oktober anmelden. Zur Weihnachtsbox →
Welches Buch soll ich lesen? Drei Fragen zu Laune, Leseerfahrung und Länge, dann schlägt der Buchfinder passende Romane vor. Dazu ein Ratgeber mit 50 Büchern in sieben Leselaunen. Zum Buchfinder →
Eingereichte Geschichten stehen auf den Autorenseiten. Wer eine Kurzgeschichte einreicht und angenommen wird, bekommt sie vollständig auf seiner Autorenseite, so wie Beatrice Sonntag mit der Geschichte aus diesem Heft.
Das Weltraum-Kartenspiel von BuchKnall. Seit dem 4. Oktober läuft ein Test mit frühem Zugang, am 28. Oktober beginnt die offene Beta. Zum frühen Zugang →
Euer Buch in 60 Sekunden
Bald können Autorinnen und Autoren ihr Buch auf BuchKnall selbst im Video vorstellen und daraus vorlesen. Für Leserinnen und Leser heißt das: Man sieht und hört, wer hinter einer Geschichte steht, bevor man den ersten Satz liest.
Ein Klappentext muss in wenigen Zeilen alles leisten, und viele Menschen lesen ihn trotzdem nicht bis zum Ende. Wer auf Instagram, TikTok oder YouTube unterwegs ist, entscheidet in Sekunden, ob ihn etwas interessiert, und am ehesten dann, wenn die Person dahinter selbst davon erzählt. Deshalb bieten wir allen Autorinnen und Autoren, deren Bücher bei BuchKnall stehen, ein kurzes Video auf ihrer Buchseite an.
Das Video ist freiwillig, hochkant wie ein Reel und höchstens 90 Sekunden lang. Darin sagen die Autorinnen und Autoren, wer sie sind, worum es in ihrem Buch geht und für wen sie es geschrieben haben.
Sie können erklären, warum man ausgerechnet dieses Buch lesen sollte, und auch, wie es entstanden ist, zum Beispiel dass es ohne KI geschrieben wurde. Unter dem Video steht, wie man sie unterstützen kann: mit einer Bewertung auf BuchKnall, über ihren bevorzugten Shop oder mit einem signierten Exemplar von ihrer eigenen Website.
Für Autorinnen und Autoren: schon jetzt vorbereiten
- Wer ihr seid, in ein, zwei Sätzen.
- Worum es in eurem Buch geht, ohne das Ende zu verraten.
- Für wen ihr es geschrieben habt und welche Leser Freude daran haben.
- Wo man euch am besten unterstützt: euer liebster Shop, die eigene Website oder signierte Exemplare, bei denen meist mehr bei euch ankommt.
Lesungen: ein oder zwei Kapitel zum Zuhören
Neben dem kurzen Vorstellungsvideo gibt es einen zweiten Platz, die Lesung. Ihr lest ein oder zwei Kapitel aus eurem Buch vor und nehmt das als Video auf. Wir binden es auf eurer Buchseite und eurer Autorenseite ein, gehostet wird es bei YouTube.
Viele Leserinnen und Leser entscheiden sich leichter für ein Buch, wenn sie den Anfang schon einmal gehört haben, gelesen von der Stimme, die ihn geschrieben hat. Für euch ist das zugleich ein kleiner Test: Wenn viele bis zum Ende zuhören, gibt es vielleicht schon Nachfrage nach einem Hörbuch.
So gelingt eine Lesung
- Ein ruhiger Raum, gedämpftes Licht, gern eine Kerze auf dem Tisch.
- Das Buch in der Hand, damit man sieht, woraus ihr lest.
- Das Handy quer und auf Augenhöhe aufstellen, zu Beginn ein kurzer Gruß.
- Ein oder zwei Kapitel vom Anfang, das Ende bleibt geheim.
- Ist euer Buch bei einem Verlag erschienen, fragt dort vorher kurz nach, ob ihr vorlesen dürft, vor allem wenn es schon ein Hörbuch gibt.
Was dafür gilt
Jedes Video sehen wir uns vor der Freischaltung an, auch jede Lesung. KI-Avatare und KI-Stimmen sind ausgeschlossen, wer im Video spricht oder liest, hat das Buch auch geschrieben. Musik aus den Bibliotheken von Instagram oder TikTok darf nicht verwendet werden, weil sie nur dort lizenziert ist. Die Autorinnen und Autoren können ihr Video jederzeit wieder entfernen lassen.
So schickt ihr uns euer Video
In drei Schritten
- Ladet das Video bei YouTube hoch und stellt die Sichtbarkeit auf „Nicht gelistet“. Die Einstellung „Privat“ funktioniert nicht, solche Videos lassen sich nicht einbetten.
- Schickt uns den Link per Mail an [email protected], zusammen mit dem Titel eures Buches.
- Wir sehen uns das Video an und binden es auf eurer Buchseite und eurer Autorenseite ein.
Das ist ein Anfang. Groß ankündigen werden wir das noch im Autorenbrief und hier im Magazin, aber wer ein Buch bei uns hat und jetzt loslegen will, kann das sofort tun. Jedes Video, das bei uns ankommt, wird auf jeden Fall verwurstet, auf euren Seiten und gern auch in unseren Kanälen. Alles Weitere für Autorinnen und Autoren steht unter Für Autoren.
Was seit dem letzten Heft erschienen ist
Die neuesten Artikel aus dem Ratgeber, dazu einer, der zum Thema dieses Hefts passt.
Ratgeber · 6. Oktober 2026
Die besten Science-Fiction-Filme
Zehn Filme als Auswahl der Redaktion, darunter Interstellar, jeweils mit der Buchvorlage, wo es eine gibt. Ein Abschnitt sammelt zwölf Verfilmungen, deren Romane im Lexikon stehen, ein anderer zeigt, was bald ins Kino kommt.
Sci-Fi-Romance. Fünfzehn Romane, in denen Liebe und Weltraum zusammenkommen, sortiert nach fünf Stimmungen.
Zum Artikel →Das Fermi-Paradoxon. Warum wir keine Spur von anderen Zivilisationen finden und welche Antworten die Science-Fiction darauf gibt, vom dunklen Wald bis zur seltenen Erde.
Zum Artikel →Atempause
Die Andromedagalaxie ist das fernste Objekt, das man ohne Fernglas sehen kann. Ihr Licht war 2,5 Millionen Jahre zu uns unterwegs. Als es aufbrach, gab es noch keinen Menschen unserer Art.
Aussicht
Das nächste Heft: Der Stern
Im Dezember geht es um einen einzigen Lichtpunkt am Himmel. Arthur C. Clarke hat 1955 in der Kurzgeschichte „The Star“ gefragt, was es bedeuten würde, wenn der Stern von Bethlehem eine Supernova gewesen wäre. Dazu kommt Apollo 8, deren Besatzung an Heiligabend 1968 als erste Menschen die Erde über dem Mond aufgehen sah, und die Frage, warum es im All so still ist.
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Dank
Der Dank dieser Ausgabe geht an Reinhold Zitzlsperger und Matthias Matting, die sich für unsere Fragen viel Zeit genommen haben, und an Beatrice Sonntag für ihre Geschichte aus dem Mosaik der Träume.
Widmung
Diese Ausgabe ist Sir Patrick Stewart gewidmet, in Erinnerung auch an Walter Koenig. Mit einem herzlichen Dankeschön für all die schönen Momente, die er uns gegeben hat.




